„Die Echtheit-Kontakte übertreffen die Echtzeit-Kontakte“ #jmt11
Die Jugendmedientage 2011 unter dem Motto „In Echtzeit“. Für reif-Autor Tobias nicht nur ein Ort für neue Medieneinblicke, Diskussionsrunden und Workshops, sondern auch eine Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen – in Echtzeit wie in Echtheit.
Stets das Handy in der Hand, den Laptop auf dem Schoss, das iPad in der Tasche. Das ist das Bild, das wir als Teilnehmer der Jugendmedientage abgeben – passend zum Motto des Events: „In Echtzeit“. Aber was verstehen wir unter der „Echtzeit“, von der im Motto und auf allen Plakaten die Rede ist? Im Grunde soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co., die zur Verständigung und Berichterstattung zwischen den einzelnen Workshops dienen. Fast jeder von uns hat inzwischen ein Smartphone mit Internetzugang und bei mehr als 20.000.000 Facebook-Nutzern in Deutschland stehen die Chancen nicht schlecht, dass auch die 500 Teilnehmer der Jugendmedientage netzaffin aufgestellt sind und die Netzwerke zur Kommunikation nutzen.
Das erste Mal
Die, die es bis dato nicht getan haben, werden wohl spätestens bei den Medientagen damit anfangen. So auch Teilnehmerin Silke, die unter dem Nutzernamen ‚@ichlache‛ twittert: „Ich lerne etwas Neues ... habe noch nie davor getwittert.“ Was hat Silke dazu bewegt, einen Account beim Kurznachrichtendienst Twitter anzulegen und es so über 500.000 Menschen in Deutschland gleich zu tun? „So wirklich weiß ich noch nicht, wohin mein Weg bei Twitter führt", erzählt sie. Mit den Hashtags ‚#jmt11‛ und ‚#jmt2011‛ kann sie sich aber stets als Teilnehmerin identifizieren und über die Suche oder Listen andere Teilnehmer finden und von deren Eindrücken lesen.
Ähnlich funktioniert dieses Prinzip auf Facebook: Der Teilnehmer geht auf die Fanpage der Jugendmedientage 2011 und postet an die Pinnwand seine Frage, seinen Aufruf, seine Bitte oder seine Kritik. Bei nun schon über 700 Fans finden diese immer schnell einen Kommentator oder ‚Liker‛. So auch meine Anfrage, was die Teilnehmer mit sozialen Netzwerken auf den Jugendmedientagen verbinden. „Ich habe ein Dutzend Personen wieder getroffen, die ich auf anderen Veranstaltungen der Jugendpresse schon kennengelernt habe. Im Vorfeld habe ich außerdem einige Bekannte kontaktiert und gefragt, ob sie auch zu den JMT kommen werden.“, schreibt Simon, 20.
Kennenlernen
Doch nicht nur vor der Großveranstaltung, sondern auch währenddessen ‚twittern‛ und ‚facebooken‛ alle, was das Zeug hält. Etwa in der Lounge der Hochschule der Medien in Stuttgarts Süden: Auf Sofas und Hockern oder auf dem Boden, jeder ist im Netz und hat Twitter oder Facebook geöffnet. Die erste Handbewegung nach einer Workshopphase führt stets in die Hosentasche zum Smartphone. Viele suchen ihre Bekannten und Freunde. So auch Felix, der unter dem Pseudonym ‚@youth_reporter‛ twitternd fragt: „Sitzt die @Telsa07 gerade in der Lounge auf grünem Boden? #jmt11“, weil er die Teamerin persönlich kennenlernen will. Eine Antwort erhält er leider nicht – was vielleicht auch dem langsamen W-LAN zu verschulden ist.
Besonders auffällig ist die Kommunikation zwischen den einzelnen Workshops, die die Timeline überflutet. Trotz des räumlichen Abstandes habe ich stets das Gefühl, bei jedem Workshop dabei zu sein. Ob „politischer Journalismus“, „Liveberichterstattung“ oder „Musikjournalismus“ – alle informieren alle über alles. Die einen analysieren eine Pressekonferenz von Angela Merkel und Regierungssprecher Steffen Seibert, andere lernen: Bei Bewerbungen gibt es nur EIN richtiges, nämlich das angesprochene Unternehmen, und wieder andere diskutieren gerade aus unerfindlichen Gründen über Kekse. Am Ende ist es aber dennoch so wie der twitternde Johannes Pfeffer, alias '@Jopfeffer', es ausdrückt: „Die Echtheit-Kontakte übertreffen die Echtzeit-Kontakte.“
Foto: Anna Ellmann
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