„Die Party ist immer nur so gut, wie die Begleitung“

Verwechselbar ihr Name, unverwechselbar ihre Musik. MIA. (nicht zu verwechseln mit der britischen Rapperin M.I.A.) ist nach über drei Jahren zurück im Musikgeschäft und bringt ihr fünftes Studioalbum „Tacheles“ heraus. Getreu diesem Motto nimmt Frontfrau Mieze Katz kein Blatt vor den Mund und redet mit reif-Autorin Lien Klartext.

reif: Was war deine schlimmste Jugendsünde?

Mieze: Damals habe ich das alles nicht als Jugendsünde empfunden. Es gab mal eine Zeit, in der ich viel experimentiert habe und sehr extrovertiert rumgelaufen bin. Da gibt es eine Doku von uns, die mich immer wieder zum Lachen bringt. Da fragt mich der Interviewer, was meine Vorstellungen von Natürlichkeit wären und ob ich mir natürlich vorkäme. Und ich hab einfach das krasseste Make-Up drauf und das monstermäßigste Outfit an und gucke ihn aber so an, als ob ich seine Frage nicht verstehe und sage: Na, wie? Ich bin doch ganz natürlich. Ich kann doch gar nicht anders sein.

reif: Du hast quasi „Tacheles“ geredet. Euer neues Album heißt ja schließlich Tacheles. Über was sollte sonst noch Klartext gesprochen werden?

Mieze: Ich rede immer Tacheles. Deshalb wundert's mich, dass wir erst jetzt zu unserem Albumtitel gekommen sind. Ich bin sehr direkt und MIA. war das schon immer. Genauso verhält es sich mit jedem Wort auf der Platte – da passt nichts dazwischen. Auch in Zukunft werde ich mich nicht zurückhalten. Ich werde über alles schreiben, was mich bewegt.

reif: Ihr hattet euch für drei Jahre zurückgezogen. Was habt ihr in der Zwischenzeit gemacht?

Mieze: Wir wollten mal aus dem Musiker-Alltag ausbrechen und uns von dem loslösen, was wir seit zwölf Jahren kennen. Einfach um uns von dem Tunnelblick zu bewahren und mehr von der Welt zu sehen. Wir sind gereist und haben uns zehn Monate im Voraus in einem Café verabredet. Während der Auszeit habe ich viel geschrieben. Ich hatte so viel erlebt und konnte einfach nicht den Stift aus der Hand legen.

reif: Jetzt seid ihr aber erst mal wieder hier und bald seid ihr wieder auf vielen Festivals unterwegs. Was sind die fünf ultimativen Tipps für Festivalgänger?

Mieze: 1. Immer in Begleitung von guten Freunde gehen. Denn die Party ist immer nur so gut, wie die Begleitung, 2. Dicke blaue Mülltüten mitnehmen. Bei Regen lassen die sich zu Schuhen oder Regencapes umfunktionieren, 3. Gaffa-Klebeband nicht vergessen – hält die Welt zusammen, 4. genug Wasserflaschen, 5. Edding kann auch immer nützlich sein.

reif: Apropos Edding. Das Video zur neuen Single ist ziemlich farbenfroh. Wie viel Liter Farbe wurden beim Dreh wohl verbraucht?

Mieze: Ohje, Zahlen. Also ich interessiere mich ja nicht so für die Theorie. Jedenfalls wurden nicht nur Liter, also flüssige Farbe verwendet, sondern auch Pigmente, die den Staubeffekt erzielen sollten. Es waren viele, viele Farben ... man musste danach beim Duschen schon gründlich sein. Aber es hat wahnsinnigen Spaß gemacht. Das Video ist eine perfekte Mischung aus „Tanz der Moleküle“ und „Mausen“.

reif: Platz 1 in den Charts oder Live-Konzert – was verleiht Flügel?

Mieze: Das sind zwei unterschiedliche Facetten einer großen Liebe. Also warum tauschen? Ich wünsche uns beides. Die Chartplatzierung sagt aus, ob wir als Künstler wahrgenommen werden und wenn wir auf der Bühne steht, dann ist es das Gleiche. Das eine ist die Nähe in der Theorie, das andere ist die Nähe in der Praxis.

reif: Wolltest du schon immer Musikerin werden?

Mieze: Singen war schon immer mein Ausdruck. Mit Singen konnte ich am stärksten ausdrücken, was ich fühle. Ich bin eigentlich sehr nach innen gekehrt und mache wahnsinnig viel mit mir selber aus. Singen war immer die Möglichkeit mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Als ich mit fünf das Lied (singt) „Pigalle, Pigalle... das ist die große Mausefalle mitten in Paris“ im Radio gehört habe, war mir mein Berufswunsch klar. Ich wollte in die große Mausefalle mitten in Paris.

Foto: 2011 H. Flug

von: Gast