„Ich möchte gut Geld verdienen."
Graues Shirt, lässige Jeans, weiße Socken – so öffnet Anne-Sophie die Tür. Schicke Kostüme und Blusen zu tragen, fällt ihr nicht ein. Aber sie hatte auch nie vor, in der Betriebswirtschaftslehre zu landen. Nicht mal ansatzweise. „Eigentlich wollte ich Tierärztin werden. Aber an Tieren rumschnippeln? Ne! Ich bin eher der Streichler.“ Nach dem Abi wollte sie unbedingt an die Uni. Einer ihrer Gründe: „Ich möchte gut Geld verdienen. Aber als Tierärztin sieht das eher mau aus.“ Als sich in der Oberstufe einige Unternehmen an ihrem Gymnasium vorstellen, weckt eine Bank ihr Interesse. Sicher ist sie sich nicht. Okay, der Job ist gut bezahlt, Banken wird es immer geben. Aber was wird aus den Tieren? Schnell hat sie genug vom Grübeln: „Ich hab einfach beschlossen abzuhauen. Ich wollte den Kopf frei kriegen. Schließlich ging es um meine Zukunft, da will jeder Schritt gut überlegt sein.“ Gemeinsam mit einer Freundin geht Anne-Sophie damals für ein Jahr nach Australien. Statt Zukunftspläne zu schmieden, suchen die beiden Mädels das Abenteuer – und finden es. „Wir haben uns einen kleinen Bus gekauft, in dem wir auch gewohnt haben.“ Anne-Sophie schüttelt grinsend den Kopf. „Sechs Monate ohne richtiges Bett, ohne richtige Dusche und nur hin und wieder mal ’nen Job als Putzfrau oder Gurkenpflückerin, das war nichts für mich. Da wurde mir klar, dass ich was Handfestes machen möchte. Etwas, mit dem ich Geld verdiene und mir Sicherheiten schaffen kann.“ Der Gedanke an die Bank ist schnell wieder da. Sie beginnt, Wirtschaftswissenschaft zu studieren. Ihr späterer Beruf wird sich in der Chefetage einer Bank abspielen. Das ist zumindest Anne-Sophies Wunschvorstellung nach zwei Semestern. Australien war trotzdem genau richtig: „Ich habe gelernt, mit fremden Menschen umzugehen. Das ist in meinem Job später auch wichtig.“ Und was wird nun aus dem Traumjob von früher? Anne-Sophie schnalzt mit der Zunge. Miko kommt sofort angerannt. Die Mischlingshündin ist drei Jahre alt und Frauchens absoluter Liebling. „Die muss ich auch pflegen. So hab ich einen guten Kompromiss gefunden.“
Foto: Klaus Gigga
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