Vor vier Jahren bin ich aus meinem Heimatland Bulgarien nach Deutschland gekommen. Jetzt studiere ich BWL an der Uni Regensburg. Ein Fach, das viele total langweilig finden, aber das ist mir egal. Ich mache ja viel mehr als das: Seit 2009 bin ich bei SIFE dabei. SIFE steht für Students In Free Enterprise und ist eine unpolitische Organisation, die nicht auf Profit aus ist. Sie bietet Studenten eine Plattform, um theoretisches Wissen umzusetzen – bei gemeinnützigen Projekten weltweit.
Klingt nach einem perfekten Eintrag im Lebenslauf? Ehrlich gesagt war das einer der Gründe, warum ich sofort mitgemacht habe, nachdem mir ein Freund von SI FE erzählt hat. Ich wollte meine Karriere pushen, mich gleichzeitig sozial engagieren und neue Leute kennenlernen. Und dann kam uns die Idee zu unserem Projekt „Asequity Micro Capital“ – da hat es „Klick“ bei mir gemacht und ab diesem Moment war ich mit Herz und Seele dabei.
Warum mich das Projekt so erwischt hat? Dafür muss ich etwas ausholen: Wir vermieten Maschinen, die für deutsche Unternehmen nicht mehr wettbewerbsfähig sind, an kleine bulgarische Betriebe und helfen ihnen bei der Finanzierung. Vor allem Handwerker profitieren davon: Von der Rahmenpresse für Schreiner bis zum Abgastester für KFZ-Werkstätten verschiffen wir alles, was in Bulgarien gebraucht wird.
Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass ich auch als „kleine Studentin“ schon richtig was bewegen kann. Und zwar nicht nur, weil ich selbst aus Bulgarien komme und meine Familie dort lebt. Bei SIFE verfolgen wir eigene Ideen, können dabei frei handeln – und Menschen mit dem theoretischen Wissen, das wir uns an der Uni erarbeitet haben, ganz praktisch helfen. Wir sehen Probleme in unserer Umgebung, suchen nach einer Lösung und setzen die dann um. Und das ist ein wahnsinnig gutes Gefühl. Deshalb finde ich das Motto unseres Teams von SIFE Regensburg auch nicht kitschig: „Building bridges on trust. Local. Regional. Global.“
Wir setzen uns also auch vor Ort ein. Etwa mit dem Projekt „White Gold“. Dabei sorgen wir dafür, dass Milch von Milchbauern direkt an Schulen und Kindergärten verkauft wird – ganz ohne Zwischenhändler. Nebenbei arbeite ich bei solchen Gelegenheiten mit hochkarätigen Business-Managern zusammen und knüpfe Kontakte fürs Leben.
Offenbar machen wir etwas richtig: Im Mai hat sich unser Team bei der „SIFE National Competition“ gegen alle anderen deutschen Teams durchgesetzt – das hat mich als Teamleiterin besonders gefreut. Jetzt geht’s zum „SIFE World Cup“ nach Malaysia. Okay, ganz unwichtig ist das alles für den Lebenslauf natürlich doch nicht. Aber der größte Preis für mich ist, dass wir anderen Menschen helfen können – das ist nicht zu toppen.
Foto: Torsten Hönig






