„Seid und bleibt neugierig“

Fünf Fragen an… Dr. Klaus Kinkel

Er war Bundesaußenminister und ist heute Vorsitzender der Deutschen Telekom Stiftung. Auf einer Autofahrt plauderte Autorin Sabine mit ihm über Studieren, Bildungspolitik und was er jungen Menschen für die Zukunft rät.

reif: Was raten Sie heutigen Studienanfängern?

Dr. Klaus Kinkel: Ich antworte jungen Menschen, die heute vor der Frage stehen, ob sie studieren sollen, mit einem klaren „Ja“. Die Berufsaussichten werden durch ein abgeschlossenes Studium zweifellos größer. Und wenn sie mich fragen, was sie studieren sollen, empfehle ich, der eigenen Bauchneigung zu folgen. Sie sollen im Prinzip das machen, was Spaß macht – das wird natürlich leider nicht immer gehen, aber dafür kämpfen sollte man doch.

reif: Warum setzen Sie sich, als Vorsitzender der Deutschen Telekom Stiftung, so für MINT-Fächer ein? (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik)

Dr. Klaus Kinkel: Das „Land der Ingenieure“ braucht Nachwuchs, vor allem in den MINT-Fächern. Als die Telekom eine Stiftung gegründet hat, war es naheliegend, einen Bereich zu fördern, der der Arbeit des Unternehmens nahe steht. Gerade die Mathematik ist zentral wichtig, ohne Mathe läuft in der Branche nichts. Leider hat das Fach in Deutschland bisher zu wenig Unterstützung erfahren.

reif: Befindet sich Deutschland Ihrer Meinung nach in der Bildungspolitik auf einem guten Weg?

Dr. Klaus Kinkel: Diese Woche wurde der aktuelle Innovationsindikator vorgestellt. Die Studie listet die 26 führenden Industriestaaten in Bezug auf Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Staat und Bildung auf. In der Bildung ist Deutschland diesmal vom zwölften auf den 17. Platz abgerutscht. Das zeigt: Bei diesem Zukunftsthema haben wir gigantischen Nachholbedarf.

reif: Würden Sie sich heute noch einmal für das Studium der Rechtswissenschaft entscheiden?

Dr. Klaus Kinkel: Ich habe zuerst angefangen, Medizin zu studieren, weil mein Vater Arzt war. Aber bald musste ich feststellen, dass das für mich nichts ist und habe dann auf Jura umgesattelt. Das würde ich heute wieder machen. Gerade in meiner Ministertätigkeit hat mir das juristische Studium geholfen. Ich bleibe dabei: Studieren, was einem Spaß macht. Aber zusätzlich: Sprachen lernen, sich fort- und weiterbilden. Ich war immer neugierig auf neue Entwicklungen. Deswegen: Seid und bleibt neugierig!

reif: Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Studientag? Wie war das damals für Sie?

Dr. Klaus Kinkel: Ja, das weiß ich noch. Das Wintersemester hat mit dem Anatomiekurs begonnen. Das hat mich sofort abgeschreckt und ich habe mit dem Medizinstudium aufgehört. Damals, 1956, gab es natürlich andere Voraussetzungen als heute. Abitur, mehr oder weniger „egal wie”. Kein Bangen um Studienplätze. Das war für uns um einiges einfacher. Deswegen muss man sich heute viel früher auf die Dinge stürzen: Schon in der Schule entscheiden sich Jugendliche für ein Studienfach, wählen Leistungskurse … Aber das ist ein anderes Thema.

Foto Klaus Kinkel: Deutsche Telekom Stiftung

von: Sabine Winkler