Alles für den einen Moment

Es wird schon langsam Abend und ich sitze noch beim Treffen des EXIT-Teams. Draußen wird es langsam dunkel und ich starre abwechselnd auf meine Uhr und auf die Wolken, die sich vor den Fenstern immer weiter verdichten. In ein paar Minuten muss ich los, denn eigentlich ist heute offiziell erster Drehtag für das Introvideo, das bei der National Competition zu Beginn der Präsentation einen kleinen Überblick über das Team und die Stadt geben soll.

Aber jetzt sieht es danach aus, dass uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen wird. Jede Sekunde erwarte ich eigentlich die ersten Tropfen auf den Scheiben. Vielleicht reicht die Zeit noch gerade so, dass wir vor dem großen Regen noch wenigstens einen Teil von dem umsetzen können, was wir für heute geplant haben.

Dann wird es Zeit für mich. Ich verabschiede mich vom Rest des EXIT-Teams und mache mich eilig auf den Weg, denn als derjenige, der die Kamera hat und alles filmen soll, sollte ich nicht zu spät kommen. Schon nach wenigen Metern auf dem Weg zur Bahn sinkt meine Hoffnung, denn ich muss den Regenschirm aufspannen.
Es steht eine ganze Menge Arbeit auf dem Spiel. Das fünfköpfige Team, dem ich angehöre, hat in mehreren Sitzungen das Konzept aufgebaut und schließlich das Drehbuch geschrieben. An sich ist das „Drehbuch“ aber nicht viel mehr als ein chaotischer Zettel, dem gerade so zu entnehmen ist, welches Motiv wann und wo aufgenommen werden soll – aber wir haben unsere Idee ist ziemlich detailliert ausgearbeit, zumindest in unseren Köpfen.

Ideen suchen, diskutieren, ändern und verwerfen. Kreative Leistungen in der Gruppe sind nicht immer einfach, denn jeder hat ganz eigene Vorstellungen davon, wie unser kleiner Introfilm am Ende aussehen könnte und es hat einige Diskussionen gebraucht, bis ein Konzept gefunden war, von dem alle überzeugt sind. All der Aufwand läuft aber trotzdem ins Leere, wenn Regentropfen auf der Linse die Sicht versperren.

Eins jedoch haben wir bei SIFE bereits gelernt: Improvisationskunst ist eine wichtige Eigenschaft – nicht nur für alle Filmschaffenden, sondern überhaupt. Zum Glück können wir die Szene, in der eines der wichtigsten für Köln typischen Produkte im Mittelpunkt steht, auch drinnen drehen. Und wo lässt sich ein Kölsch besser präsentieren als in einer schönen urigen Kneipe? Die restlichen Motive müssen eben am nächsten Tag nachgeholt werden, wenn hoffentlich wieder die Sonne scheint.

Autor: Daniel Sieberath

von: Gast