Heute bin ich als „Laberphilosoph“ bekannt – das war nicht immer so. Ich bin Autist und ich kann nicht sprechen. Deshalb galt ich bis zu meinem 14. Lebensjahr als geistig behindert und besuchte eine Förderschule. Diese Zeit fühlte sich an wie hundert Jahre Einsamkeit. Bis mir meine Lehrerin die „Gestützte Kommunikation“ gezeigt hat. Plötzlich konnte ich mit Hilfe eines Sprachcomputers und einer Personreden. Mein erster Satz nach der langen Isolation war nur Wortsalat, er sollte schreien: „Ich bin nicht geistig behindert!“ Zum Glück ist er gehört worden. Seitdem läuft alles bestens. Ich habe unzählige Reden, Artikel für eine Autisten-Zeitung und ein Theaterstück verfasst. Meinen Helfern verdanke ich es, dass ich als erster nichtsprechender Autist an eine Gesamtschule wechseln konnte. Dort habe ich mein Abi gemacht. Heute studiereich Philosophie und Germanistik. Akademikern hört man zu. Nichtsprechenden Autisten meistens nicht, obwohl sie viel zu sagen hätten. Mit meinem Studium versuche ich, Wegbereiter für andere Autisten zu sein. Egal, was danach kommt: Ich liebe Zukunftsmusik und freue mich schon auf die Mischung der lauten und leisen Töne.
Foto: Frank Dünzl






