Auf die Plätze, fertig, Studienstart!
Auch in diesem Wintersemester fängt für etwa 400 Erstsemestler der Hochschule für Telekommunikation (HfTL) Leipzig ein neuer Lebensabschnitt an. Und der wird feierlich angegangen mit einer Immatrikulationsfeier im Leipziger Gewandhaus. reif-Autorin Sabine war dabei.
Draußen ist es grau, nass und kalt. Es hört einfach nicht auf zu regnen. Den Tag ihrer feierlichen Immatrikulation haben sich viele bestimmt etwas sonniger gewünscht. Auch ich bin leicht vom Winde verweht, als ich in den Mendelssohnsaal des Gewandhauses eintrete. Der festlichen Stimmung tut das allerdings keinen Abbruch: Der gesamte Unterrang ist gefüllt. Muttis und Vatis, die ihren Schützlingen noch ein letztes Mal das Händchen halten, bevor sie in die neue Freiheit entlassen werden, der Oberbürgermeister der Stadt, Studentenvertretung, musikalische Wunderkinder mit Cello und Geige und natürlich jede Menge gespannte Studienanfänger.
Es werden Erinnerungen an meine eigene Immatrikulationsfeier vor zwei Jahren wach: Genau an gleicher Stelle, andere Uni. Ich war exakt 20 Minuten da, weil ich genau in der Zeit Seminare hatte und der Studierendenrat hat den Anlass als Selbstinszenierungsbühne benutzt. Nichts dergleichen heute: Alle scheinen angetan und froh, hier zu seien. Nicht nur 400 Studenten werden heute feierlich eingeschrieben in das Matrikelbuch der Hochschule, nein, auch ein Geburtstag wird gefeiert. Es heißt „Happy Birthday!“ für die HfTL, die es nun schon seit 20 Jahren gibt. Nachdem der Rektor mit viel Tara bei gedämpften Licht in den Saal eingezogen ist, geht es auch schon direkt los mit dem Programm: Es folgen Grußworte aller wichtigen Kommunalpolitiker, Festreden, musikalische Zwischenspiele und, und, und …
Auf der riesigen Orgel des Gewandhauses steht geschrieben: „Res severa verum Gaudium“ – „Wahre Freude ist eine ernste Sache“. Welch ein treffendes Motto: Förmlich und doch nicht ganz nach Plan verläuft der Nachmittag. Nicht nur dass anfänglich ein Professor als „verschollen“ gemeldet wird und erst etwas später auftaucht, auch der Hauptredner der Veranstaltung Herr Professor Dr. Kinkel, ehemaliger Bundesaußenminister und Vorsitzender der Telekomstiftung, verspätet sich. Hinter den Kulissen sorgt das für beschäftigtes Treiben, Programmpunkte müssen umgestellt werden, es wird wild telefoniert und geplant. Die Hauptakteure des heutigen Tages kriegen von all dem wenig mit: Für die Studenten läuft alles wie geschmiert.
So wie jeden Tag ist die Situation für die Studieneinsteiger aber keineswegs. Lasse ich meinen Blick durch die Reihen schweifen, sehe ich vor allem Jungs in edlen Anzügen, die sie wohl zuletzt beim Abiball getragen haben und Mädels in Blazer mit adrettem Röckchen oder Anzugshose, als wollten sie gleich eine Lehre zur Bankkauffrau starten. Ich komme mir tatsächlich ein wenig underdressed vor.
Zwischendurch durchdringt den Saal ein obligatorisches Husten, ein gespanntes Gemurmel je fortgeschrittener das Programm ist und oft nachdenkliche Stille. Kein Wunder bei dieser beeindruckenden Kulisse. Die Musiker haben in der ersten Reihe Platz genommen und treten hin und wieder auf die Bühne. Einige Studenten fahren sich durchs Haar, wirken nachdenklich.
Während ein Fotograf Schnappschüsse und Erinnerung des Tages sammelt, lauscht der Saal gespannt der Rede von Dr. Klaus Kinkel und ist merklich amüsiert von seinen Anekdoten und erntet breite Zustimmung — nicht nur von den anwesenden Eltern. Er betont, dass „Deutschland nicht nur ein Land der Denker ist. Es ist vor allem eine Wirtschaftsnation“ und sorgt für schmunzeln bei seinen Überleitungen: „So nächstes Thema: Frauen.“ Vor allem seine klare Kritik am Föderalismus in der deutschen Bildungspolitik hinterlässt bleibenden Eindruck: „Das Kooperationsverbot auf Bundesebene muss schnellstmöglich verschwinden!“ Ich habe selten solch einen Applaus nach einer Festrede bei einer Universitätsveranstaltung gehört. Überhaupt wirken alle locker und entspannt: Eine ehemalige Absolventin erzählt vom ABC des Studierens und verfällt in studentische Nostalgie: „Die Studienzeit ist die schönste Zeit eures Lebens, daran müsst ihr immer denken.“ Der Studierendenratsvorsitzende hingegen versprich: „Ich organsiere eine Taschenrechnermassenbestellung!“ und lädt zur Campus-Party im Hochschulkeller ein. Na, wenn das mal nicht vielversprechend klingt! Wie bei jeder ordentlichen Festveranstaltung wird zum Ende auch noch ein Preis vergeben: Der DAAD-Preis für ausländische Studenten mit besonderem Engagement.
Die Musik zum krönenden Abschluss fasst das, was für die Ersties noch so kommen mag, dann gut zusammen: Etwas schwermütig, düster, dann wieder vergnügt und zum Ende doch heilfroh. Wie das echte Studentenleben.
Fotos: HfTL
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