Bewegung!

Mourad, 27, Katja, 27, und Nadine, 25, haben völlig verschiedene Berufe. Nur eins haben sie gemeinsam: Sie haben sich in ihrer Karriere bei der Telekom schon viel bewegt – nicht nur mit dem Auto.

„Ich renne mit neuen Ideen nicht gegen die Wand“

Nadine, 25, bringt ihren Job als Referentin für Personalentwicklung mit einem Studium unter einen Hut und hat noch lange nicht genug.

Nadine sieht adrett aus mit den langen braunen Haaren und ihrem hellen Jackett. Ob sie einen Dresscode bei der Arbeit hat? „Ja, wir tragen den Dresscode ‚Business‘ – sprich Bluse für die Frauen, Hemd für die Männer.“ Nadine ist Referentin für Personalentwicklung bei der Telekom. „Das heißt im Klartext: Ich rekrutiere Auszubildende für die Telekom-Shops.“

Außerdem studiert sie Business Administration. Aber das hat sie nicht vom ersten Tag an gemacht. Dass sie überhaupt in das Unternehmen gekommen ist, war Zufall, sagt sie. Nach dem Abitur hat sie viele Bewerbungen geschrieben, auch für die Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation bei der Telekom. Sie wurde zum Test eingeladen und bekam die Zusage noch am selben Tag.

Nach drei Jahren Lehre ist sie übernommen worden und wurde Teamassistentin im Personalwesen. „Da habe ich freiwillig ein Projekt für berufsbegleitende Studiengänge übernommen und den Studiengang Business Administration betreut und verwaltet.“ Das Fach hat sie dabei so fasziniert, dass sie sich entschlossen hat, es auch zu studieren.

„Seit zweieinhalb Jahren fliege ich jetzt alle vier Monate für eine Woche nach Berlin oder Hamburg – je nach dem wo die Vorlesungen stattfinden.“ Gelernt wird am Wochenende. Das klingt nach viel Stress. Für mich als Vollzeitstudentin ist es unvorstellbar, nebenbei noch so viel zu arbeiten. Außerdem würde ich den Studentenalltag sehr vermissen. Nadine sieht das anders. Sie trifft sich trotzdem mit Freunden und macht Party – auch wenn sie dann manchmal mit einem Kater lernen muss. „Ich brauche den Ansporn, den ich bei der Telekom habe, sonst würde ich vermutlich den Hintern nicht hoch bekommen. Und ich verdiene schon mein eigenes Geld.“

Referentin für Personalentwicklung ist sie erst seit knapp einem Jahr. „Ein toller Job. Ich kann kreativ sein und ganz neue Dinge ausprobieren, um Schüler zu finden, die Spaß am Verkaufen haben.“ Gerade entwickelt sie etwa ein Konzept für eine Schülerwoche. „Wir hängen Zettel an die Haltestangen in Bahnen und Bussen, sind auf Facebook präsent und bekommen eine eigene Homepage.“ Ein völlig neues Projekt mit vielen Möglichkeiten sich auszuprobieren. „Ich renne hier mit neuen Ideen nicht gegen die Wand, sondern werde erst einmal angehört und unterstützt, wenn die Idee gut ist.“

Klingt alles sehr zufrieden. Ich frage sie, ob sie auch etwas zu kritisieren hat. „Ich schaffe es zwar noch, zum Balletttraining zu gehen, aber sonst habe ich privat nicht viel Zeit für Hobbys. Das soll sich nach meinem Studium wieder ändern. Ich möchte gerne Gitarrespielen lernen.“

Foto: Matthias Popp

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„Bindestrich-Informatiker“

Katja, 27, ist als Projektleiterin bei den T-Systems Multimedia Solutions Chefin von knapp 20 Mitarbeitern. Wie sie dahin gekommen ist? Sie hat es reif-Autor Erik erzählt.

Draußen herrscht Weltuntergangsstimmung. Schwarze Wolken, Regen, kalter Wind. Katja sitzt neben mir auf der Rückbank eines Kombis und lächelt mich so an, dass ich das Wetter da draußen fast vergesse. Sie ist 27 Jahre alt und Projektleiterin bei der T-Systems Multimedia Solutions, einem Tochterunternehmen der Telekom. Was auch immer so eine Projektleiterin da macht. Wahrscheinlich die meiste Zeit vorm Rechner hocken und Excel-Tabellen hin- und herschieben, vermute ich zumindest.

Katja lacht. „Ich koordiniere vor allem verschiedene Projekte in der Qualitätssicherung. Das heißt: Wenn ein Kunde sein Produkt auf verschiedene Kriterien getestet haben möchte, mache ich ihm ein Angebot, plane dann das Projekt mit ihm, überwache das Ganze und zum Schluss mache ich die Abrechnung. Die meiste Zeit verbringe ich nicht vorm Rechner sondern in Meetings.“ Wow, hätte meine Einschätzung noch weiter daneben liegen können?

Ihr Vater ist Berufsschullehrer und unterrichtet die Fächer Projektmanagement und -entwicklung, erzählt sie. Davon beeindruckt wollte auch Katja erst Lehrerin werden. „Ich habe schon in der Schule gern programmiert.“ Da lag die Ausbildung zur Fachinformatikerin in Anwendungsentwicklung nahe. „Das hat auch Spaß gemacht, aber ich habe gemerkt, dass das nicht hundertprozentig mein Ding ist – die ganze Zeit auf den Rechner zu starren, Lösungen für Probleme zu finden und Quellcodes zu schreiben.“ Klingt schon eher nach meinen Vorurteilen.

Nicht ganz, findet sie und rückt ihr Halstuch zurecht. In den drei Lehrjahren bei T-Systems Multimedia Solutions hat sie verschiedene Abteilungen durchlaufen, hat geholfen, viele verschiedene Softwares zu entwickeln, aber auch mal bei einer Bilderdatenbank mitgearbeitet. Schon damals gefiel ihr ihre heutige Abteilung, die Qualitätssicherung, am besten. Hier werden vor allem Web-Anwendungen auf ihre Qualität geprüft. Und auch der Job des Projektleiters hat es ihr angetan. „Ich fand es spannend, mehr zu organisieren und weniger zu programmieren.“

Sie entschloss sich, ein duales Studium hinten anzuhängen. „Bindestrich-Informatiker“ nennt sie ihren Studiengang liebevoll und grinst. Damit spielt sie nicht nur auf das Satzzeichen im Wort „Wirtschafts-Informatik“ an. Das Fach verbindet Informatik mit Betriebswirtschaftslehre: die perfekten Voraussetzungen für ihre heutige Position. „Neben dem Studium habe ich nach wie vor bei T-Systems gearbeitet. Manche finden es vielleicht langweilig, immer im selben Betrieb zu bleiben. Aber ich habe mich hier einfach wohlgefühlt.“

Die Möglichkeit, andere Unternehmensluft zu schnuppern, hat sie außerdem mit einem Auslandspraktikum in England genutzt. „Eine tolle Zeit, in der ich viele wunderbare Leute aus der ganzen Welt kennengelernt habe. Aber ich muss zugeben: Ich habe Deutschland und meinen Arbeitgeber dadurch auch mehr zu schätzen gelernt.“ Weg will sie deshalb erst mal nicht mehr. Sie hat sich ja auch ihren Berufswunsch erfüllt. Als Projektleiterin ist sie Chef von knapp 20 Mitarbeitern. „Aber jetzt stehen bleiben? Niemals.“

Foto: Klaus Gigga

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„Einen normalen Tag? Gibt es nicht.“

Mourad, 27, hat es geschafft – er sitzt in der Chefetage. Als Assistent von Telekom-Vorstand Niek Jan van Damme, 50, erlebt er jeden Tag Neues.

„Er ist quasi mein verlängerter Arm“, sagt Niek Jan van Damme und grinst Mourad an, der neben ihm im Auto sitzt. Van Damme ist Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom AG und Sprecher der Geschäftsführung der Telekom Deutschland GmbH. Ein ganz schön hohes Tier. Für Mourad ist das aber kein Problem. Lässig sitzt der junge Mann neben van Damme im Auto – „jetzt endlich mal ohne Schlips“, wie er bemerkt, denn der Morgen war voll mit offiziellen Terminen, bei denen die Etikette eine Krawatte von ihm verlangt. Seit eineinhalb Jahren ist Mourad Vorstandsassistent. Seither liegt sein Büro in der Chefetage der Telekom. „Klar, war ich an meinem ersten Arbeitstag etwas nervös – wer ist das nicht?“ Niek Jan van Damme ist verdutzt: „Davon habe ich nicht mal etwas gemerkt. Manchmal habe ich das Gefühl, er kennt das Wort Stress überhaupt nicht – er lässt sich nur schwer aus der Ruhe bringen.“ Das ist Musik in Mourads Ohren. Er arbeitet im Team mit drei weiteren Assistenten und versucht täglich, dem Vorstandsmitglied so viel Arbeit wie möglich abzunehmen. „Manchmal ist das schon eine Herausforderung“, gibt er zu. Direkt nach seinem dualen Studium in Bielefeld ist Mourad Assistent beim damaligen Geschäftsführer Marketing T-Mobile Deutschland, Jiri Dvorjancansky, geworden.

Lachend erzählt er: „Einmal habe ich einen Wirtschaftsausschuss für ihn organisiert, bei dem er auf Englisch einen Vortrag halten wollte. Leider ist der Simultandolmetscher nicht gekommen – da musste ich kurzfristig einspringen. Danach war ich total platt, aber immerhin hat es geklappt.“ Zum Glück sind gewöhnliche Tage aber nicht so stressig. „Wobei – einen normalen Tag? Den gibt es gar nicht.“ Wenn eine große Pressekonferenz oder ein anderer wichtiger Termin bevorsteht, widmet er sich tagelang den Vorbereitungen, kümmert sich um den Inhalt von van Dammes Präsentation, spricht mit Kollegen und hält seinen Chef auf dem Laufenden. Danach kann gleich wieder etwas komplett Neues kommen.

Das Gespräch im Auto ist eine willkommene Abwechslung. Niek Jan van Damme schlägt eine Zeitung auf – er nutzt Autofahrten gerne, um sich auf dem Laufenden zu halten. Auch er begann seine Karriere mit einem Studium der Wirtschaft. Danach ging es zu verschiedenen Unternehmen, wo er mit jedem Wechsel eine weitere Stufe auf der Karriereleiter erklomm. „Vor meinem Studium war mir klar, dass ich etwas verkaufen wollte. Ich wollte etwas tun, das den Menschen dient. Das habe ich ja wahr gemacht.“ Van Damme lacht.

Ob Mourad mal in seine Fußstapfen treten möchte? „Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ich habe großen Respekt vor der Leistung, die ein Vorstand erbringt – aber so weit voraus zu planen und so hoch zu pokern, wäre nicht sinnvoll.“ Das Vorstandsmitglied gibt ihm Recht. „Wer von Anfang an das Ziel hat, Chef eines DAX-Unternehmens zu werden, ist früh verblendet – die Chance ist nicht unmöglich, aber sehr gering. Ich bin mir sicher, dass sich nach dem Job als Vorstandsassistent aber viele Möglichkeiten ergeben, sich aussichtsreich weiterzuentwickeln.“

Bewegung heißt das Zauberwort. Nicht still stehen, sondern immer weiter, finden die beiden – und setzen das Motto nicht nur mit dem Auto um. Mourad zieht es bereits hinaus aus Deutschland – in Niek Jan van Dammes Heimatland, die Niederlande. Was er dort macht? „Ich werde die Marketing-Kollegen dabei unterstützen, das Geschäft mit Prepaid-Produkten voranzutreiben.“

Foto: Jürgen Schwarz

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