Die Lizenz zum Hacken
Was macht eigentlich ein Programmierer? Und wie geht legales Hacken? Die Schüler des Beruflichen Schulzentrums in Leipzig sind zu Besuch bei den T-Systems Multimedia Solutions und lernen hier die Technik von heute kennen.
„Jetzt zeig ich euch mal, wie ich beim Hacken vorgehe.“ Ein Raunen geht durch die Runde. Die einen rutschen auf ihrem Sitz hin und her, die anderen tuscheln mit dem Sitznachbar, die Blicke sind gespannt auf die Leinwand gerichtet. Das Verbotene hat eben doch seinen Reiz.
Ronny hat seinen Bachelor in Telekommunikationsinformatik an der Hft-Leipzig gemacht und ist jetzt Security Consultant bei der T-Systems Multimedia Solutions GmbH (MMS) in Dresden. Sein Job: Professionelles Hacken. Kunden der MMS lassen ihre Websites von Ronny auf ihre Sicherheit überprüfen. „Man findet eigentlich immer irgendwelche Lücken.“ erzählt er uns. Und so staunen die Schüler nicht schlecht, als er mit ein paar Tastenklicks und Eingaben das Bild einer Website mit einem Foto von Silvester Stallone austauscht oder Facebook dazu bringt uns aufzufordern unser Passwort einzugeben.
Mit den Schülern der Arwed Rossbach Schule hat er heute die richtigen Leute am Start. Die elften Klassen des Beruflichen Gymnasiums in Leipzig und Arwed-Rossbach-Gymnasium sind heute bei den MMS, dem Tochterunternehmen der Telekom, zu Besuch. Einige der Schüler beobachten jeden Tastenklick von Ronny genau. Man kann's ja vielleicht zuhause auch mal probieren – auch wenn der Profi weitaus mehr Ahnung hat als sie.
Wer allerdings bei der MMS Informatiker mit Pferdeschwanz, Kellerzimmer-Blässe und Brille erwartet, der wird eines besseren belehrt. Toni zum Beispiel studiert Medieninformatik an der TU Dresden, trägt einen schwarzen Kapuzenpulli, Bart und Piercings. „Ich habe auch Freunde und gehe Party machen“, sagt er lachend, als der Informatiker-Stereo-Typ thematisiert wird. Toni arbeitet neben dem Studium bei der MMS und entwickelt sogenannte Microsoft Surfaces. Dazu nehme man einen stabilen Tisch, packt einen Touchscreen auf die Oberfläche et voilà – ein Microsoft Surface ist geboren.
Ganz so einfach ist das aber natürlich nicht. Und so schauen wir beeindruckt zu, wie Toni eine RedBull Dose auf den Tisch abstellt, dieser die Dose erkennt und sofort den RedBull Menüpunkt öffnet. Es wird gezogen, getippt, gedreht – und das alles nur mit den Fingern auf dem intelligenten Touchscreen. Wer den Spaß zu sich nach Hause holen will, muss aber tief in die Taschen greifen. 8000-9000 Dollar kostet so ein Microsoft Surface, verrät uns Toni. Aber was macht man denn als Programmierer genau? Tonis Antwort ist simpel: „Zehn Prozent der Zeit programmieren wir und die restliche Zeit reden wir übers Programmieren.“
Als letztes geht es zu Erik. Der Diplomand ist Social Media Consultant und kümmert sich um den Internet-Auftritt der MMS. Während die Schüler es sich auf den Ledersofas gemütlich machen, sitzt Erik auf einem futuristisch anmutendem Gebilde, das einem übergroßen Sofa ähnelt. Allgemein herrscht bei den T-Systems Multimedia Solutions eine ziemlich familiäre Atmosphäre. Man duzt sich, es gibt viele Sitzgelegenheiten zum gelegentlichen Ausspannen und sogar eine kleine Golfanlage findet sich in einem Flur.
Erik erklärt den Schülern, was es mit den Telekom Auftritten auf den Sozialen Netzwerken auf sich hat. „Nicht Neues für uns“, meint Viet, 17, „für unsere Generation ist Facebook etwas ganz Alltägliches. Für uns gehören Soziale Netzwerke einfach dazu.“ Dafür hat ihm die kurze Hacker-Exkursion mit Ronny gut gefallen.
Für Nicole, 18, war der Tag ein weiterer Schritt in die Zukunft. Sie will später Spieleentwicklerin werden. Wie sie sich die Technik der Zukunft vorstellt? „Später wird alles über das Internet und den PC ablaufen. Seien es Bestellungen oder Verabredungen.“
Yanni, 17, ist da ähnlicher Meinung – er erinnert sich noch an die Zeit zurück, als Handys noch modische Neuheiten waren. „In zehn Jahren kann wieder alles anders sein. Die Technik entwickelt sich so schnell, dass man nicht weiß, was uns in den nächsten Jahren erwarten wird. Aber das ist auch das Tolle daran.“

