Fünf Fragen an... Karsten Schwanke

Karsten Schwanke ist diplomierter Meteorologe und zählt zu den populärsten Moderatoren für Bildung- und Wissenssendungen Deutschlands. Neuerdings moderiert er WQ, das Wissenschaftliche Quartett, eine Internet-Sendung, die sechs Mal im Jahr über jeweils ein wissenschaftliches Thema berichtet und eine Initiative der Deutsche Telekom Stiftung ist. reif-Autorin Lien plaudert mit ihm über MINT-Fächer und das Champions League Finale.

reif: Naturwissenschaftliche Fächer waren in der Schule nie mein Ding. Wie begeistern Sie mich trotzdem für MINT-Themen?

Karsten Schwanke: Warum haben Sie sich nicht dafür interessiert?

reif: Ich war halt eher der sprachlich begabte Typ.

Karsten Schwanke: Wissen Sie, woher Sprachen kommen? Im Süd-Kaukasus gibt es zum Beispiel ein kleines Gebiet, wo es eine große Vielfalt an Sprachen gibt. Das heißt, über hunderttausenden von Jahren haben sich auf kleinstem Raum verschiedene Völker mit verschiedenen Sprachen entwickelt, die sich dann in der Welt verbreitet haben. Und das lag: Am Klima! Wir sind uns einfach nicht bewusst, wo überall MINT-Fächer drinstecken. Warum kann zum Beispiel eine Schildkröte immer wieder umfallen und sich wieder aufrichten? Weil sie einen dementsprechend geometrisch geformten Panzer hat!

reif: Haben Sie sich schon immer so sehr für die Naturwissenschaften interessiert?

Karsten Schwanke: Ich war schon in der Schule ein klassisch naturwissenschaftlich interessierter Schüler. Ich habe viel gelesen, etwa Bücher über „Wie entsteht die Welt?“ und war gut in Mathe und Physik. Außerdem habe ich mich sehr für Geographie interessiert. Stumme Landkarten, bei denen nur Ländergrenzen eingezeichnet waren, haben mich fasziniert! Ich musste meistens nur einmal draufschauen und konnte mir das direkt einprägen. Ich habe halt die Geschichten hinter dem Naturwissenschaftlichen gesehen, wie „Woher kommen denn unsere Sprachen?“, „Warum kann die Schildkröte sich immer wieder aufrichten?“

reif: Am 21. Mai wurde die erste Sendung von WQ, das Wissenschaftliche Quartett, ausgestrahlt. Wie unterscheidet sich WQ von den anderen Wissenssendungen, die Sie bisher moderiert haben?

Karsten Schwanke: Wir bieten höchste Fernsehqualität und spannende Filme – das ist zunächst einmal eine Gemeinsamkeit mit den anderen Sendungen. Diese werden aber im Fernsehen ausgestrahlt. Mit WQ versuchen wir dagegen im Internet eine Plattform aufzubauen, auf der wir etwas von den Leuten zurückbekommen. Seien es Kommentare, Klickzahlen oder Response-Videos, bei denen die Zuschauer selbst kreativ werden. WQ richtet sich an alle – von Jugendlichen über Erwachsene und Lehrer bis hin zu wissenschaftlich Interessierten.

reif: In der ersten Folge von WQ beschäftigen Sie sich mit dem dem Thema „Mit Mathe Tore schießen“. Welche Tipps können Sie unserer Nationalmannschaft geben?

Karsten Schwanke lacht: Elfmeter müssen schneller geschossen werden! Das ist aber ganz logisch: Je langsamer der Ball geschossen wird, desto mehr Zeit hat der Torwart, um zu reagieren. Wenn der Ball aber mit voller Wucht geschossen wird, dann hat der Torwart keine Chance. Außerdem eher in die rechte Ecke schießen. Die meisten Torwarte sind nämlich Rechtshänder. Hätten das mal bloß die Bayern beim Champions League Finale berücksichtigt!

reif: Können Sie Fußball überhaupt als normaler Zuschauer verfolgen oder kommt da der Wissenschaftler in Ihnen durch?

Karsten Schwanke: Teil, teils. Es war schon traurig, dass Bayern verloren hat, aber wenn sie nach so vielen Möglichkeiten doch verlieren, dann kann man nicht sagen, dass sie trotzdem die besseren waren. Dann waren sie letztendlich die schlechteren!
 

von: Gast