Helfen macht glücklich

Lisa engagiert sich ehreamtlich für Geflüchtete. 

Eingebettet in die Hügel des Osterzgebirges liegt Dippoldiswalde – eine sächsische Kleinstadt zwischen Freital und Heidenau. Hier ist Lisa Heimat. Hier hat sie ihre Kindheit und Jugend verbracht, bevor sie für ihr Kommunikationswissenschaften-Studium nach Dresden gezogen ist. Und hier finden leider seit letztem Jahr regelmäßig Pegida-Kundgebungen statt, die sich gegen Flüchtlinge richten.

„Diese wöchentliche Verbreitung von erfundenen Horrorgeschichten und die Darstellung, dass alle Flüchtlinge kriminelle Moslems sind, haben mich furchtbar aufgeregt!“, erklärt Lisa. Also zog sie nachts mit Freunden durch den Ort, klebte selbstgestaltete Plakate an Türen, Schaufenster und Bushaltestellen und gründete die Facebook-Seite „Dippser mit Herz“. Kurz danach schrieb die Lokalzeitung: „Es gibt eine Gegenströmung in der Stadt.“ Aber die Plakate hingen keine 24 Stunden. „Natürlich war das frustrierend“, sagt die Kleinstadtrevolutionärin. „Die ganze Mühe, das Zeichnen, Kopieren und Kleben war nach wenigen Stunden nirgendwo mehr zu sehen.“

Aber der Protest gegen die Fremdenfeindlichkeit war trotzdem gehört worden: Wenig später bekamen Lisa und ihre fünf Mitstreiter eine Anfrage vom ProJugend e.V., ob sie mit Gleichgesinnten gegen die fremdenfeindliche Stimmung und für Flüchtlinge aktiv werden wollen. Das Willkommensbündnis Dippoldiswalde wurde gegründet. Aus acht Gründungsmitgliedern ist schnell eine Gruppe von 20 bis 30 regelmäßig aktiven Hilfsbereiten geworden. Das Willkommensbündnis versucht den Asylsuchenden ihre Ankunft und die lange Wartezeit so angenehm wie möglich zu gestalten. „Die Menschen sind jetzt hier und brauchen Hilfe, um sich in unserem System zurechtzufinden“, beschreibt Lisa ihre Motivation für ihr Engagement. „Es ist für sie eine quälende Zeit, wenn sie über Monate im Heim hocken und nichts zu tun haben, während sie auf ihren Antrag warten.“ Einige Erzgebirgler lernen sogar Arabisch – Lisa kommuniziert einfach auf Deutsch und Englisch.

„Dass ich mich politisch irgendwo einbringe, ist überhaupt nicht typisch für mich“, sagt Lisa. „Politik – das war eigentlich gar nicht so mein Ding. Aber hier musste einfach etwas getan werden!“ Jetzt kümmert sie sich um die Organisation von Bündnistreffen, betreut den Mailverteiler, erstellt Facebook-Einträge, organisiert Wandertage und Freizeitangebote für die Asylsuchenden. 

Am Anfang hatte sie große Zweifel, ob überhaupt jemand zum Wanderausflug kommen mag, und wenn ja, ob es mit einer Gruppe mit Menschen verschiedenster Herkunft nicht Konflikte geben würde. Schließlich hatte keiner der Ehrenamtlichen Erfahrungen in interkultureller Arbeit. Am Ende war aber alles perfekt: „Die Asylsuchenden hatten Spaß“, sagt Lisa zufrieden. Und die Helfer auch: „Wir waren den ganzen Tag in der Umgebung unterwegs und konnten uns total locker und angenehm austauschen.“ Genau das ist ihre Motivation: Sie ist froh, der Gruppe helfen zu können, lernt dazu und vor allem hätte sie nie gedacht, dass ehrenamtliche Arbeit so erfüllend sein kann.

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