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Wie wird Web 3.0 aussehen? Wie kann man Videos noch mehr komprimieren?

Was verraten Kundendaten? Und wie sieht das perfekte Informationssystem aus? – Informatiker müssen nicht immer weltfremde Nerds sein. 27 Schüler konnten sich bei der T-Systems Multimedia Solutions davon überzeugen.

Das Zimmer ist gemütlich abgedunkelt, nur die Wände werden von indirekten Lichtquellen erhellt. In der Mitte zwischen schweren Ledersesseln ein leuchtender Tisch, dessen Oberfläche den Anschein erweckt, man blicke direkt auf den Meeresgrund. „Das ist ein Surface“, erklärt Juliane Steinhauf der Gruppe von Jugendlichen, die sich staunend über die Tischplatte beugt. „Fasst ruhig mal drauf“, fordert die gelernte Softwareentwicklerin sie auf. Zögernd tasten ein paar Finger die Oberfläche ab und scheinen Wellen im Wasser über dem Meeresboden zu schlagen. Juliane Steinhauf hat Anwendungen für diesen Tisch, der eigentlich ein Computer ist, mitentwickelt. Nur ein Projekt von vielen, an dem sie und ihre Kollegen bei T-Systems Multimedia Solutions in Dresden arbeiten.

Heute geht es jedoch eigentlich nicht um ihre Projekte. Zumindest nicht direkt. Die MMS, wie sich das Tochterunternehmen der Telekom abkürzt, hat heute nämlich 27 Schüler aus Leipzig zu Besuch, die sich einen Einblick in die Berufswelt von Informatikern verschaffen möchten. Hier in Dresden scheint die alles andere als dröge und freakig zu sein. Keiner hier trägt Anzug und Schlips und auch niemand hat fettiges Haar oder sieht aus, als hätte er seit Wochen kein Sonnenlicht mehr gesehen. Und auch der Umgangston ist alles andere als weltfremd, man duzt sich sofort.

„Ich habe den unangenehmen Part, das Unternehmen vorzustellen. So ziemlich die langweiligste Aufgabe überhaupt“, sagt Sven Schubert von der MMS zur Einführung grinsend. Doch statt gleich in langatmiges Gerede zu verfallen, gibt er die Aufgabe an Youtube weiter. Ist ja auch viel multimedialer. Genau das Richtige für die Schüler des Beruflichen Schulzentrums 7 Elektrotechnik. Auf der Leinwand ist ein junger Mann in blau-weißer Fanmontur zu sehen, der eine Vielzahl an Medien nutzt, um seinem Fußballverein treu zu bleiben. Über elektronische Plakate erfährt er, wann und wo das nächste Spiel ist; doch weil er nicht direkt dorthin kann, schaut er sich die Live-Übertragung im Internet an und als er sich beim Selbstversuch das Bein bricht, digitalisiert der Arzt seinen Befund direkt mit einem High-Tech-Stift. Während der Imagefilm läuft, hört man hier und da ein Kichern in den Reihen der Schüler. Keine Frage: Der Film ist ein bisschen trashig. Aber das Fazit lautet dennoch: Realisiert wurde das alles von Informatikern der MMS. Sogar der Film selbst.

Knapp 1000 Leute arbeiten hier. Durchschnittlich sind sie 35 Jahre alt, erzählt Schubert. Auch Feliciano Muruchi gehört dazu. Der 29-jährige arbeitet erst seit knapp eineinhalb Jahren hier und stellt den Schülern eine iPhone-App vor, die er mitentwickelt hat. „Ich habe vorher Telekommunikationsinformatik an der Hochschule für Telekommunikation in Leipzig studiert. Leider wusste ich gar nicht, dass es auch das duale Studium gibt.“ Die dualen Studiengänge der HfTL, wie sich die Hochschule abkürzt, sind nämlich sehr eng mit der Arbeit bei der MMS und den anderen Abteilungen der Telekom verbunden: fünf Wochen praktisches Arbeiten in einer Abteilung und Studieren nur im virtuellen Klassenzimmer, erst dann geht es wieder für eine Woche in den realen Hörsaal. „Auf 600 Studierende kommen hier 30 Hochschullehrer“, erzählt Torsten Büttner von der HfTL, „da muss keiner auf dem Boden sitzen.“

Das überzeugt. Während sich einige der Schüler zum Schachspielen um den Surface versammelt haben, schlürfen Melanie und Stephan Suppe und essen Brötchen. Die beiden sind sich einig: „Wir überlegen, ob wir nach der Hochschulreife Telekommunikations- oder Wirtschaftsinformatik an der HfTL studieren. Vielleicht auch dual. Das klingt schon echt spannend.“

von: Gast