Gerade mit der Schule fertig – und dann?
Viele Abiturienten fragen sich, was sie studieren sollen. Die Hochschule für Telekommunikation in Leipzig bietet viele Möglichkeiten, sich in einem technischen Gebiet auszuprobieren. reif-Autor David hat sich für einen Tag in den Hörsaal gesetzt.
Da bin ich also. Schnupperstudent in einer technischen Hochschule für einen Tag. Na, toll! Als Liebhaber vieler Apple-Geräte, aber trotzdem wenig Technik-Begeisterter-Mensch sind meine Erwartungen nicht allzu prickelnde. Ich suche mir zwei Vorlesungen heraus: Einmal möchte ich „Daten-Quetscher. Wie funktionieren ZIP & Co.“ ausprobieren und danach gibt es noch eine Ladung „Messung von UKW-Strahlen“. Aus meiner Sicht die interessantesten Themen.
Rein in Vorlesung Nummer 1.
Nachdem ich den Raum A 1.29 gefunden habe, betrete ich pünktlich den Hörsaal. Viele andere Schnupperstudenten sitzen schon auf der Hoch-Schulbank und warten gespannt auf die Vorlesung. Die Blöcke liegen auf den kleinen Tischen. Die Bleistifte sind gespitzt. Es kann losgehen. Auch der Professor läuft schon ungeduldig auf und ab. Kurz vor 8 Uhr fragt er: „Kommen da noch welche?“ Die zukünftigen Studenten schütteln mit dem Kopf. „Na gut, dann fangen wir halt jetzt schon an“. Zum Glück bin ich pünktlich gekommen.
Prof. Dr. Ing. habil. Tilo Strutz, so viele Titel hat der wirklich, schaut in die Runde und begrüßt seine potenziellen neuen Studenten: „Ich bin hier zuständig für die Thematik Daten-Kompression.“ Mit anderen Worten: Er lehrt, wie man große Dateien klein macht. Anhand des Audioformates MP3 erklärt Professor Strutz den Unterschied zwischen der ursprünglichen und einer komprimierten Datei. „Auf eine normale Audio-CD passen ungefähr 700 MB Musik. Auf eine MP3-CD zehn Mal so viel.“ Doch wie funktioniert das?
Man könnte wohl eine ganze Doktor-Arbeit darüber schreiben. Der Professor erklärt uns die Grundlagen dieses komplexen Vorgangs – und an sich ist das Ganze natürlich einfach. Jeder Mensch hat bekanntlich die Fähigkeit zu hören und zu sehen. Das aber nur in begrenztem Maß. „Unsere Sinnesorgane sind nicht perfekt. Wir sehen nicht alles, wir hören nicht alles“, sagt Strutz. Wenn Dateien komprimiert werden, so werden daraus unwichtige Informationen entnommen. „Das ist wie Milch. Wir entziehen das Wasser, haben Milchpulver, transportieren das kostengünstig, geben wieder Wasser daran und haben wieder Milch.“ Interessant!
Der Professor wischt die Tafel. Dann geht es weiter. Mit Tabellen, Formeln und Logarithmen erklärt er, wie die übrig gebliebenen Informationen dann noch verpackt werden. Ganz schön viele Infos für mein eher sprachlich begabtes Gehirn, aber wirklich interessant. Es folgen Erklärbeispiele für Entropie, Redundanz und Signalverzögerungen. Wer das genauer verstehen möchte, kann sich für ein Studium hier bewerben, sagt er.
„Die Zeit ist um. Sie gucken aber alle so gespannt“, sagt Strutz und führt seine Ausführungen trotzdem zu Ende. Sein Abschlusswort: „Ich hoffe, Sie nehmen davon etwas mit. Wenn Sie Daten komprimieren, denken Sie an mich.“ Das werde ich sicherlich.
Raus aus dem Hörsaal, rein in die zweite Vorlesung.
Schon auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass dieser Kurs zur Messung von UKW-Strahlen wesentlich praktischer ist.
Vor mir ein Raum mit einem Meer an technischen Apparaten. Monitore mit Antennen und Zahlenfeldern, große Rechner, Kästen mit vielen Knöpfen.
Zehn Schnupperstudenten sind anwesend. Dozent Matthias Weinrich stellt den Raum vor: „Das hier sind unter anderem Spektrumanalysatoren, Messgeräte zur Leistungsbestimmung.“ Anhand der Geräte können die Frequenzen von Mobilfunk, UKW-Radiowellen und die Leistung von Haushaltsgeräten, wie einem Staubsauger, überprüft werden.
„Früher haben sie gesagt, dass die UKW-Radiofrequenzen im Jahr 2010 ausgestorben sein sollen“, erzählt Weinrich. Wer sich heute ein neues Auto kauft, bekommt aber immer noch das gute alte UKW-Radio mit eingebaut. „Das Digital-Radio ist noch nicht so weit.“ Ein Poster mit riesiger Tabelle soll die Frequenzbereiche darstellen. Ich staune. Interessant auch, dass der Staat Geld für die Lizenzen der Frequenzen nimmt.
Zum Abschluss sagt Weinrich, dass bei den Studiengängen an der HfTL wertvolle Inhalte weitergegeben werden. „Ob man diese Informationen dann später im Job braucht, ist eine andere Frage“, grinst er.
Nun wieder raus aus der Uni, rein in den Alltag.
Studieren stelle ich mir prima vor. Beim Verlassen des Hörsaals höre ich den ein oder anderen sagen, dass er nach den Vorlesungen wirklich überlegt, an die HfTL zu gehen. Auch wenn ich den Einblick in die Telekommunikationsbranche spannend fand und es echt faszinierend ist, wie schnell sich diese Sparte weiterentwickelt und dass man eigentlich gar nicht auf dem neusten Stand sein kann, bleibe ich bei meinen Leisten und schreibe wohl eher weiterhin. Gerne aber auch mal übers Telekommunikationsstudium!
Info: An der HfTL werden Bachelor- und Masterstudiengänge angeboten. Ein duales Studium an der Telekom-Uni ist möglich. Es werden unter anderem Nachrichtentechnik, Telekommunikations- und Wirtschaftsinformatik als Studiengänge angeboten.