Auch wenn ich kein mädchenhaftes Mädchen bin, schlägt mein Herz gleich ein bisschen schneller, wenn ich Testosteron-berauschte, muskelbepackte Männer in der gestreckten Halfpipe, Vert genannt, beim Skaten und BMX-Fahren beobachten kann. Als Mensch mit Sportaversion am Rand des Street-Parcours stehend, könnte man bei den Telekom Extreme Playgrounds Minderwertigkeitskomplexe bekommen.Aber dafür bleibt in der Gefühlswelt zwischen all den Ahhs und Uhhs und Wows bei weit geöffnetem Mund kein Platz. Das ovale Berliner Velodrom wurde am Sonntag zum Mekka für die Jünger der Street-Sportarten BMX und Skateboarding. 44 Profisportler aus Ländern rund um den Globus, von Chile bis Tschechien, fanden sich ein, um sich im Skateboarden und BMX-Fahren zu messen und insgesamt 80.000 Dollar Preisgeld zu erkämpfen. Unter den zwölf Deutschen, die antraten, zählte Bruno Hoffmann aus Flensburg zu den Favouriten.Auf 950 Quadratmetern Fläche wurden insgesamt 20 Tonnen Holz, 30.000 Schrauben und 120 Liter Farbe verarbeitet um 15 neue Rampen, Hindernisse mit Treppenstufen und die große Vert zu erbauen. Ein in den Parcours integriertes Auto stand als besonderes Hindernis für die Fahrer bereit. Bei den Telekom Playgrounds, dem einzigen World Cup Skateboarding Event in Deutschland, vergnügten sich die großen Jungs aus der Biker-Boarder-Oberliga auf dem extra erbauten Spielplatz.Atemberaubende Tricks und meterhohe Flüge, bei denen selbst Supermann neidisch wäre, bekamen die 4.500 Besucher zu sehen. Schwerkraft? Ein Fremdwort für die Profis. Halsbrecherische Stunts, nach denen unsereins einen Kopf weniger hätte, gehörten zum Grundreportoire der Biker und Boarder. Selbst spektakuläre Stürze, teilweise mit Nussknackerfaktor, nach denen man an der Reproduktionsfähigkeit der Herrschaften zweifelte, steckten die Sportler routiniert weg ohne eine Mine zu verziehen.
Höhenflüge auf Rollen und Rädern
reif-Autorin Julia hat sich bei den Telekom Extreme Playgrounds im Velodrom in Berlin Skater und BMXer um die Ohren fliegen lassen.
Felgen und Schlüpfer Ton in Ton
Stilsicher, wie ihre sportliche Leistung, war auch ihr äußeres Auftreten: Die Unterhosen passend zu den Rad-Felgen und zum Helm zu tragen, erwies sich als Outfit-Pflicht. Der König der Styler: Der BMX-er Jan Valenta aus Tschechien, dessen grüne Unterhosen in enger Konkurrenz zu Mark Webbs Unterbekleidung standen. Beiden Style-Königen half das jedoch nicht weiter: Letztendlich mussten alle ihre Helme vor dem Können des Brett „Maddog“ Banasiewicz, ziehen.
Der 16jährige erzielte an diesem Tag die Höchstpunktzahl im BMX-Street-Pracours. Sein älterer BMX-Kollege Vince Byron brachte den Vert-Sieg in sein Heimatland Australien. Bei den Skateboardern war es Marcelo Bastos, der in der Vert überzeugen konnte. Der Brasilianer ist mit dem Sieg bei den Playgrounds nun auch der Inhaber des Weltmeistertitels im Vert-Boarden. In der Disziplin Street erklamm der Niederländer Phil Zwijsen das Treppchen. Mit einer Geschwindigkeit rauschten sie rotierend in schwindelerregende Höhen, dass nicht nur der Atem stockt, sondern auch der Mageninhalt allein vom Zuschauen rebelliert.
Harte Bewährungsprobe fürs Tanzbein
Traditionell sind die Extreme Playgrounds eine Mischung aus Sport- und Musik-Event. Drei Mal im Jahr finden sie statt und stets spielen am Rande der sportlichen Wettkämpfe hochkarätige Acts wie My Chemical Romance exklusive Konzerte. So auch in Berlin. Schon die Hintergundmusik während der Wettkämpfe, war eine harte Bewährungsprobe für das Tanzbein stillzuhalten. Bei den Live-Acts wurde dann jedoch alle Scheu sich zu bewegen abgelegt: Die Bremer Rock-Größen Trashmonkeys eröffneten am frühen Abend die Bühne. Sänger der Band lies sich vom übermütigen Treiben im Velodrom so anstecken, dass er eine Gitarre zerschmetterte.
Erste Show nach Auflösung
Es folgten Panic! At The Disco. Die Jungs aus Las Vegas, die selbst auch skateboarden, ließen es sich nehmen, auch in Berlin das Publikum mit ihrem Indie-Rock zu begeistern. Die Headliner des Abends waren eine kleine Sensation: Boysetsfire spielten ihre allererste Show und seit ihrer Auflösung im Jahr 2007 wieder in Berlin. Genauso wie ihre Reunion fand auch ihr finales Konzertspektakel auf europäischem Boden bei der Erstausgabe der Extreme Playgrounds statt. Während der Split der Band vor drei Jahren selbst den härtesten Hardcorejungs die Tränen in die Augen trieb, kam es am Sonntag zum ausgelassenen Freudenspektakel. Selbst Nathan Gray, dem Sänger der Post-Hardcore-Legenden fehlten die Worte beim Anblick von 4000 euphorischen Fans, die textsicher die großen Songs wie „Rise“ oder „Rookie“ mitschrieen, brüllten, sangen und dazu moshten, dass es blaue Flecken en masse hagelte. „The only Thing I can say is: This is so beautiful“ formulierte er stockend. Selbst blutende Opfer des monströsen Circlepits blieb im Endorphinrausch noch ein Lächeln: Die Reunion des Jahres sowie Skateboard- und BMX-Profis hautnah erleben – Das machen nur die Telekom Extreme Playgrounds möglich.
Die Telekom Extreme Playgrounds
... bieten Skate- und BMX-Fans seit vier Jahren das volle Programm mit Wettbewerben und Konzerten auf Weltklasse-Niveau. Im Jahr 2010 gab es Events in Duisburg, Hamburg und Berlin. Der Skate-Wettbewerb am 5. Dezember 2010 im Berliner Velodrom war sogar der einzige Skateboard World Cup Event in Deutschland.
Die Macher der Telekom Playgrounds planen natürlich schon wieder die nächste Saison. Für alle, die bis dahin noch in Erinnerungen schwelgen wollen, gibt es alle Telekom Extreme Playgrounds Highlights der letzten vier Jahre am 31. Dezember 2010 um 14 Uhr auf MTV. Die Highlights der Telekom Playgrounds aus Berlin laufen am 11. Dezember ab 10:15 Uhr auf Sport1. Am 12.12. um 20.15 Uhr und am 13.12. um15.45 Uhr laufen Specials der Veranstaltung auf TV Berlin.
Weitere Infos unter www.telekom-playgrounds.de








