"Ich kann‘s nicht fassen, dass hier gleich die Beatsteaks spielen!"

Mörpsi schwitzt. Vor dem Konzert. Die ganze Zeit. Es ist heiß, sie ist aufgeregt. Die Beatsteaks: hier, mit ihr, in einer halben Stunde. Und sie ist vorbereitet: alte Klamotten, abgewetzte Schuhe. Im Kopf nur diese Band.

Während die rotzigen „Radio Dead Ones“-Vorband-Rocker das Publikum zum Durchdrehen animieren wollen, sinniert Mörpsi über das, was da kommt, gleich, in 20 Minuten: „Mit ‚As I please‘ werden sie sicher nicht anfangen. Da gibt‘s ja immer eine wall of death...“ Sie hält inne, überlegt, worüber sie spricht. „Ahhh, ich kann‘s immer noch nicht fassen, dass hier gleich die Beachbulletten spielen“. Damit ist sie nicht alleine: Rund 3.000 Leute grölen mit handlicher Unterklatschung „Beatsteaks, Beatsteaks, Beatsteaks!“

Und dann rennen die Beatsteaks auf die Bühne: diese Helden. „This is atomic love“, Arnim singt, was Mörpsi für diese Berliner Band fühlt. Sie schreit mit, tanzt, pogt von vorne nach ganz hinten und wieder zurück. Dann ist sie weg, liegt auf dem Boden, unter Leuten. Einer bekommt es mit und zieht sie hoch: Erstmal raus. „Ich hatte gerade schon Panik“, brüllt sie. „Hab‘ nicht mehr richtig Luft gekriegt.“ Trotzdem: Sie muss da wieder rein. „Könnt ihr noch?“ Zögerlos jubelt sie. Gitarrist Peter schrammelt markant die Gitarre, nicht alle erkennen, was jetzt kommt. Aber Mörpsi hat darauf gewartet: „Frieda und die Bomben“, ein gemeinsames Lied mit den Flensburger Freunden von Turbostaat. „Wollt ihr das? Na, na?“ Jede einzelne Textzeile hat sie verinnerlicht, singt mit, so laut sie kann, es ist ihr Lieblingslied heute. Dann ruft Arnim: „Ihr macht mich nervös!“ Mörpsi ist hin und weg. „Och Arnim, ich würde dir helfen, was dagegen zu tun.“ Jaja, bei diesem Typen sind unmoralische Angebote angebracht.

Aber es ist nicht nur der Sänger: „Jeder Typ in dieser Band hat einfach irgendwas“, meint Mörpsi. Bassist Thorsten zum Beispiel: Beim Cover „Red red wine“ setzt er sich eine Afro-Perücke auf und tanzt im Reggae-Style über die Bühne, will Offbeat- Geräusche machen. „Oh, jetzt hat er aber verkackt. Voll unrythmisch.“ Das Publikum feiert: Solche kleinen Fehler machen diese Band sympathisch.

Mörpsi ist traurig, als das Konzert fast vorbei ist. Klassisch kommt zum Schluss „Let me in“. „Ach ja, jetzt setzen wir uns gleich alle hin.“, Mörpsi ist im Beatsteaksbilde. Tatsächlich, kurz vorm Refrain die Aufforderung „Alle runter“. Alle sind unten. Auf Kommando hochspringen und nochmal richtig ausrasten. Wie bei einer Explosion: Ein Knall und unglaubliche Hitze... Dann ist es vorbei. Mörpsi taumelt aufs Klo: Sie ist nass, von oben bis unten. Hastig trinkt sie aus dem Wasserhahn und wertet das Konzert aus. „Das Publikum war irgendwie ziemlich unnett, gar kein richtiges Beatsteaks-Publikum.“ Sie guckt grimmig. „Nicht mal in Berlin war es so schlimm, und das war das Tour-Abschiedskonzert. Klar, es war hart, aber die Leute waren hilfsbereiter.“ Das heutige Konzert an sich aber – der Hammer. „Als Arnim bei ‚She was great‘ diese Kasper-Handpuppe hatte und so getan hat, als würde die ins Mikro singen... Hach, die sind so bekloppt!“ Sie grinst. Alle Mädchen im Raum haben diesen glücklichen Gesichtsausdruck. „Allerdings haben mir zwei Lieder gefehlt: „Summer“ und „Badfish“. Aber gut, wenn sie nächstes Jahr wieder kommen, kann ich ihnen das nochmal verzeihen.“

Beim Rausgehen werden ihre Augen nochmal groß. Voll durch den Wind sagt sie: „Oh mein Gott, am Merchandise steht der Thorsten.“ Sie schleicht sich zum Bassisten, fragt: „Öh, kann ich mal ganz unauffällig ein Foto mit dir machen?“ Er antwortet charmant: „Ganz unauffällig? Klar, dann müssen wir aber beide wegschauen“. Klick. Das war‘s.

Foto: Matthias Popp

von: Gast