Typisch?

Jungs spielen Fußball und Mädchen tanzen Ballett – von wegen! Fünf Leute widersprechen dem Klischee.

Chantal, 17, spielt Computerspiele

Auf Computerspiele bin ich durch meinen Bruder und meinen Vater gekommen, die beide zocken. Zuerst habe ich ihnen nur über die Schulter geschaut. Mein Schlüsselerlebnis war das Spiel zu den Tomb-Raider-Filmen mit Angelina Jolie, seitdem bin ich leidenschaftliche Gamerin.


Mich hat von Anfang an die Vielfalt der Spiele fasziniert. Man kann immer in neue Welten abtauchen, je nachdem, worauf man Lust hat. Es geht für mich überhaupt nicht um das Töten von Gegnern, sondern um die Zusammenarbeit mit den Team-Mitgliedern.


Das ist nicht nur ein Jungsding, für mich und meine Freundinnen ist es ein völlig normales Hobby. Die Spiele werden sowieso immer geschlechtsneutraler. Natürlich gibt es ab und zu mal ein paar Jungs, die blöde Sprüche machen. Deswegen haben sich viele Mädchen in eigenen Ligen und Turnieren zusammen getan. Es ist toll, zu sehen, wie die weibliche Szene wächst. Gerade Spiele wie Starcraft 2 tragen dazu bei, dass immer mehr Mädchen Games für sich entdecken. Ich habe schon ein paar Freundinnen dafür begeistern können, sich mal ein Turnier anzuschauen. Die wissen aber auch, dass ich generell gerne Sachen mache, die üblicherweise nur die Jungs machen – ich fahre zum Beispiel auch BMX.


Foto: Matthias Popp 

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Marcel, 19, tanzt Ballett

Wenn mich jemand fragt, was ich so mache, sage ich immer zuerst „Ballett“. Und dann sehe ich mir die Reaktion der Person an. Manche gucken komisch, andere finden es „schwul“. Aber diejenigen, die auch nur ein bisschen Ahnung von Ballett haben, wissen, wie viel Arbeit hinter dieser Tanzart steckt.


Mein Hobby will ich zum Beruf machen. Momentan mache ich meine Ausbildung zum Bühnentänzer, Choreographen und Tanzpädagogen bei der Professional Dance Academy der New York City Dance School in Stuttgart. Neben Jazz, Hip Hop und Modern gehört seit gut einem Jahr auch Ballett zu meinem Programm. Das Faszinierende am Ballett ist die unglaubliche Körperkontrolle und das Körperbewusstsein, das von einem Tänzer gefordert wird. Ballett ist eine extrem ästhetische Sportart. Deshalb sieht es, wenn man es richtig macht, wirklich gut aus.


Leider gibt es in der Gesellschaft immer noch viel zu viele Vorurteile, die fest verankert sind. Das betrifft nicht nur Ballett, sondern viele Dinge, die angeblich typisch Mann oder typisch Frau sind. Aber für mich sind die Grenzen zwischen männlich und weiblich nicht mehr so klar wie früher. Ich gehe genauso gerne shoppen wie die Mädels, ich interessiere mich für Mode – und tanze eben auch Ballett.


Foto: Jörg Buchmann 

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Ivana, 19, spielt Fußball

Seit ich vier bin, spiele ich Fußball: Erst mit den Nachbarjungs, später als einziges Mädchen im Verein, wo ich sogar Kapitän geworden bin. Das zu akzeptieren, war für die Jungs schon ein Problem. Auch meine männlichen Gegner haben mich überhaupt nicht ernst genommen – bis ich das erste Tor geschossen habe.


Mittlerweile bin ich mit der U17-Nationalmannschaft Europameister und Dritter bei der WM geworden und spiele seit über zwei Jahren beim FC Bayern München. Spätestens wenn ich von diesen Erfolgen erzähle, erübrigen sich blöde Kommentare über Frauenfußball.


Trotzdem ist der Sport noch eine Männerdomäne, vor allem was die Gehälter angeht. Dabei arbeiten wir genauso hart. Momentan trainiere ich neun Mal pro Woche. Ich hoffe, dass die WM der Frauen im Sommer die Wende bringt wird und wir endlich zu den Männern aufschließen. Und ich kann dann hoffentlich bald von der U19 in die A-Nationalmannschaft wechseln. Das ist mein großes Ziel!


Foto: Matthias Popp 

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Antonin, 21, macht Mode

Mode ist was für Mädchen und Schwule. Dieses Klischee bestätigt sich zwar relativ oft, aber eben nicht immer. Bei mir zum Beispiel nicht. Ich breche gerne mit Vorurteilen. Wenn man sich als Typ etwas schicker anzieht als der Durchschnitt und dann auch noch selbst Mode macht, wird man leider oft sofort abgestempelt.


Ich habe schon in meiner Schulzeit angefangen, meine Basketballtrikots selber zu bemalen, weil neue Trikots meist zu teuer waren. So hat sich mein Interesse für Mode immer weiterentwickelt und ich habe irgendwann angefangen, die ersten T-Shirts für meine Freunde zu designen. Vor knapp zwei Jahren habe ich schließlich zusammen mit einem Freund ein eigenes Mode- und Eventlabel gestartet. Mittlerweile hat sich die Firma in ein selbstständiges Eventlabel abgespalten und ich hab angefangen, Produktgestaltung in Schwäbisch Gmünd zu studieren. Nebenher plane ich trotzdem weiter mein eigenes Modelabel, das sich „Stilübung“ nennt. Ab Frühjahr 2011 kann man meine Sachen dann über die Seite www.dawanda.de kaufen.


Der Name „Stilübung“ beschreibt mich in nur einem Wort am besten. Ich übe mich in verschiedenen Stilrichtungen – sei es in Produktdesign, Graphikdesign oder eben Modedesign.


Foto: Jörg Buchmann 

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Rebecca, 16, ist bei der Jugendfeuerwehr

Um ehrlich zu sein, wollten meine Freundin und ich damals nur wegen zwei Jungs, in die wir uns verguckt hatten, zur Jugendfeuerwehr. Doch mittlerweile bin ich seit fünf Jahren dabei und es gefällt mir so gut, dass ich nicht mehr darauf verzichten will. Deshalb möchte ich mich auch in zwei Jahren, wenn ich alt genug bin, in einem zweiwöchigen Lehrgang zur richtigen Feuerwehrfrau ausbilden lassen.


Meine Freunde fanden mein Hobby anfangs komisch und haben mich gefragt, was ich denn dort suche. Sonderlich begeistert waren sie nicht. Aber ich finde dieses Jungs-Mädchen-Klischee blöd. Schließlich leben wir im 21. Jahrhundert. Und Frauen können genauso gut „Männerberufe“ ausüben wie Männer.


Mittwochs treffen wir uns immer und unternehmen was zusammen, gehen schwimmen oder machen Spieleabende in unserem Feuerwehrhaus. Freitags geht es dann an die Theorie oder an die praktischen Übungen. Ab und zu kommt es schon mal vor, dass man bei einer Übung statt zwei starker Jungs vielleicht vier starke Mädchen braucht. Was mir am meisten gefällt, ist die Tatsache, dass wir zusammen zwar viel Blödsinn machen, aber im Ernstfall fest zusammenhalten und eine Einheit bilden.


Foto: Jörg Buchmann 

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Und du?

Hast du auch ein Hobby, das dem Geschlechterklischee nicht entspricht? Erzähl uns davon!

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