Zurück in die Zukunft
„Knackis? Wieso soll man denen helfen?“ – Das und ähnliches müssen wir uns öfter anhören. Wir, das sind Isabel, Christopher, Cyril, Lisa, Daniel, Carla, Carsten, Max, Plamen, Vugar und ich, Victoria. Hallo! Wir sind das EXIT-Team von SIFE Köln. Was wir machen? Ein Präventionsprojekt. Wir wollen jungen Sträflingen helfen, nach ihrem Gefängnisaufenthalt einen Job zu bekommen und sich im normalen Alltag wieder zurecht zu finden.
Unser Team wird durch Lisa, Vera und Rainer ergänzt. Die drei studieren Pädagogik und arbeiten schon lange mit der Justizvollzugsanstalt Iserlohn zusammen. Bei erlebnispädagogischen Wochenenden bereiten sie jeweils zwölf Insassen auf ein Leben in Straffreiheit vor. Dabei behandeln sie Themen wie Entscheidungsfähigkeit, Impulskontrolle und erwünschte soziale Verhaltensweisen.
Ein Alumni der Uni Köln hatte uns auf die drei aufmerksam gemacht und schon beim ersten Treffen saßen wir in gemütlichen Sesseln eines Cafés, schlürften Kaffee und waren uns direkt sympathisch. Im Handumdrehen war der Verein EXIT – Enter Life e.V. gegründet, der die Arbeit mit den inhaftierten Jugendlichen langfristig ermöglichen soll.
Jetzt heißt es planen und organisieren. In den kommenden Wochen werden wir Lisa, Vera und Rainer über Vereinsbuchführung, die Wahl der richtigen Versicherung und Systeme zur Dokumentation informieren. Für alle Aufgaben, die die Vereinsgründung betreffen, sind Isabell und Carsten verantwortlich. Und Lisa ist aktuell dabei, Sponsoren zu finden. Dazu haben wir eine vierseitige Broschüre entworfen, die potenzielle Förderer über das Projekt informieren soll. Außerdem entwerfen wir gerade ein Marketingkonzept.
Ganz schön viel zu tun! Und trotzdem nicht genug. Wir planen nämlich außerdem ein Bewerbungstraining mit ein paar jungen Sträflingen im Arrest Remscheid, um sie auf die bevorstehende Jobsuche vorzubereiten. Dafür sind vor allem Christopher, Cyril, Lisa, Daniel, Carla, Plamen, Vugar, Isabel und ich verantwortlich.
Weil wir noch nicht wissen, welche Jugendlichen genau am Training teilnehmen werden, legen wir großen Wert auf die Ausarbeitung eines universellen Bewerbungstrainings. Deshalb findet man uns ziemlich häufig die Köpfe zusammengesteckt in den Seminarräumen unserer Uni. Klar ist: Die Schulung soll möglichst interaktiv, abwechslungsreich und interessant gestaltet werden. Wir wollen die Jugendlichen ja bei Laune halten, damit sie sich beteiligen und auch wirklich was lernen. Bei unserem letzten Treffen etwa haben wir uns überlegt, das Training mit einem Kennenlernspiel zu beginnen. Damit machen wir uns gegenseitig bekannt, aber können auch anfängliche Scheu auf beiden Seiten leichter überwinden.
Danach werden wir einige Ausbildungsberufe vorstellen. Aber natürlich kein Frontalunterricht! Wir teilen verschiedene Ausbildungsberufe wie etwa Lagerist, Altenpfleger oder Informatiker und verschiedene Eigenschaften aus. Diese sollen einander in interaktiven Diskussionen zugeteilt werden. Lageristen etwa müssen koordinieren können, wohingegen Altenpfleger besonders freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit sein sollten. Als Informatiker ist es wichtig, dass man teamfähig ist und gute Mathematik-, Informatik- und Englischkenntnisse hat. Dieses Spiel soll den Jugendlichen helfen, über ihre eigenen Stärken und Schwächen nachzudenken und sich in den Eigenschaften der Ausbildungsberufe wiederzufinden. Später stellen wir dann noch ein Vorstellungsgespräch nach, um den Jugendlichen positives und negatives Bewerberverhalten aufzuzeigen, und besprechen und verbessern mit ihnen ihre Lebensläufe und Bewerbungsanschreiben.
Unser Thema ist kein einfaches. Das merken wir immer wieder. Selbst bei unseren eigenen Team-Treffen kommen ständig Zweifel auf: Ob der Workshop nicht zu langweilig wird? Ob es den Jugendlichen wirklich etwas bringt? Wir kennen die Jugendlichen, für die wir das Training erstellen, ja schließlich nicht. Wissen also nichts über ihre Vorkenntnisse oder wie sie am besten lernen. Vielleicht haben manche ja auch schon eine Ausbildung gemacht. Einfach ist es also nicht, ein universelles Konzept zu erstellen, das allen Spaß macht und allen was bringt.
Zum Glück haben wir unsere University Advisorin Sarah. Sie ist die Ansprechpartnerin für Studenten an der Uni Köln und hat viel Erfahrung mit der Arbeit mit jungen Menschen. Von ihr haben wir schon viele wertvolle Tipps bekommen, etwa dass wir das Training möglichst spielerisch und interaktiv gestalten. Das macht es gleichzeitig auch für uns spannender.
Wahrscheinlich findet das erste Bewerbungstraining schon in den nächsten Wochen statt und wir sind schon sehr gespannt. Wir werden sehen und halten euch natürlich auf dem Laufenden. Bis jetzt macht EXIT auf alle Fälle jede Menge Spaß!
Auf unserer Homepage könnt ihr übrigens mehr über uns erfahren.
Autorin: Victoria Wischmann
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