Drohen uns Angriffe der digitalen Armee?

Cyber War: Die digitale Kriegsführung

Der Krieg in der Ukraine findet nicht nur in der realen Welt statt, sondern geht über die Grenzen unserer analogen Realität hinaus. Eine immer größere Rolle spielt die digitale Kriegsführung, der Cyber War. Dazu zählen gezielte Hacker:innenangriffe, vor denen Sicherheitsbehörden derzeit warnen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Deutschland von einem digitalen Angriff betroffen wäre. In diesem Artikel erfahrt ihr, wie Cyberangriffe durchgeführt werden und welche Dimensionen sie in Zukunft annehmen können.

Cyber War: Hacking, Spionage, Sabotage

Als Cyber War bezeichnen wir die Kriegsführung mit Cyberattacken. Das sind gezielte Angriffe auf Regierungen und Behörden über das Internet. Nicht alle digitalen Angriffe können als direkte Kriegshandlungen ausgelegt werden, doch viele stehen in Verbindung zu bereits bestehenden Konflikten. Die Cyberattacken können insbesondere zwei Ziele haben: Spionage und Sabotage.

Spionage bezeichnet das Ausspähen von Daten. Die Hacker:innen erhalten dabei Zugriff auf wichtige und mitunter geheime Dateien. Die erbeuteten Informationen können sie gegen ihre Gegner:innen einsetzen.
Bei Sabotage handelt es sich um die gezielte Schwächung des:der Gegner:in. Vergleichsweise simple Handlungen, wie das Verbreiten von Fehlinformationen auf Social Media, können genauso Teil von Sabotageaktionen sein wie Angriffe auf Websites, Behörden und Infrastrukturen.

Für einige Cyberattacken wird Malware eingesetzt. Die Hacker:innen verschicken dafür zum Beispiel seriös wirkende E-Mails mit infizierten Anhängen oder Links. So gelangt die Schadsoftware auf die Computer und die Hacker:innen bekommen Zugriff auf wichtige Systeme und Informationen.
In Krieg oder Konflikten sind Cyberangriffe deswegen nützlich, weil sie schnell, ortsunabhängig, kostengünstig und ohne Verluste großen Schaden anrichten können. Die Anonymität des Internets, zum Beispiel über das Darknet, schützt dabei davor, entlarvt zu werden.

Cybermacht Russland

Eine der größten Bedrohungen kommt derzeit aus Russland. Fast täglich sind Regierungs-, Bank- und Nachrichtenseiten Ziel von russischen Hacker:innen. Selbst der US-Wahlkampf soll von Russland beeinflusst worden sein. Die digitalen Attacken richten sich derzeit verstärkt gegen die Ukraine, wenngleich auch andere Länder angegriffen werden.

Bereits 2015 wurde die Stromversorgung in der Ukraine durch einen russischen Hacker:innenangriff lahmgelegt. Hunderttausende Menschen waren stundenlang ohne Strom.

Die Ukraine hat längst aufgerüstet und die digitale Infrastruktur Russlands ins Visier genommen. Der ukrainische Digitalminister Mychailo Fedorow spricht bereits von „World Cyberwar I“, also dem ersten digitalen Weltkrieg.

Deutschland als Zielscheibe des Cyber War

In Deutschland haben bereits unzählige Cyberangriffe stattgefunden und sowohl das Bundeskriminalamt (BKA) als auch der Verfassungsschutz sind auf weitere Angriffe vorbereitet. Hinter den digitalen Attacken stecken nicht immer Weltmächte wie Russland oder China, sondern auch Cyberkriminelle.

Auch Krankenhäuser können Ziel von Hacker:innenangriffen sein. In Neuss wurde 2016 das städtische Krankenhaus lahmgelegt, indem die IT-Systeme mit Malware infiziert wurden. Oft sind solche Attacken Teil eines Erpressungsversuches.

Dass russische Hacker:innen auch für uns gefährlich sein können, zeigte sich zuletzt bei einem Angriff auf den Deutschen Bundestag. Webseiten deutscher Behörden waren kurzfristig nicht mehr erreichbar

Eine russische Hacker:innengruppe bekannte sich zu dem Angriff als Rache wegen Waffenlieferungen an die Ukraine.

Bei sogenannten DDoS-Attacken („Distributed Denial of Service“), werden Server mit extrem vielen Anfragen überlastet, nachdem Computer des Netzwerks mit Malware infiziert wurden.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt vor weiteren Racheaktionen, zum Beispiel aufgrund der verhängten Sanktionen gegen Russland.

In Zukunft mehr Cyberangriffe

Cyberattacken sind schon heute keine Seltenheit. Häufigere Spionage- oder Sabotageangriffe über das Internet ist ein durchaus mögliches Zukunftsszenario. Auch wenn Menschenleben dabei meist nicht direkt gefährdet werden, können die digitalen Kriegshandlungen das Risiko einer Eskalation von Konflikten erhöhen. Dennoch: Die Angriffe in Deutschland fanden bislang in keinem größeren Ausmaß statt und konnten schnell gestoppt werden. Die Cybersicherheit in Deutschland wird stets weiterentwickelt, damit das auch so bleibt.

Es bleibt zu hoffen, dass sowohl in der analogen als auch in der digitalen Welt der Frieden siegen wird.

Carolina Pfau

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