Geschlechtergerecht oder diskriminierend?

So sinnvoll ist die Frauenquote

Wo das Wort Frauenquote fällt, gehen die Meinungen oft auseinander. Die einen sehen in ihr den Weg zur Gleichberechtigung. Die anderen bezeichnen sie als diskriminierend für Männern. Erst im Juni 2021 wurde das zweite Führungspositionengesetz beschlossen. Das Ziel: Mehr Frauen in den Chefetagen. Doch was ist diese Frauenquote und sorgt sie wirklich für mehr Gendergleichheit?

Frauenquote – wozu braucht man das?

Laut dem Gesetz sind wir in Deutschland auf dem Arbeitsmarkt alle gleichgestellt. Die Realität sieht anders aus. Eine Studie des Wissenschaftszentrums in Berlin hat untersucht, wie Bewerbungen auf Personalleiter:innen wirken. Das Ergebnis: Bewerbungen von Frauen für männlich konnotierte Berufe wurden schlechter bewertet. Im Schnitt um eine ganze Schulnote! Und das, obwohl sie genau die gleichen Angaben und Qualifikationen hatten. Dahingehend wurden die Bewerbungen von Männern für weiblich konnotierte Berufen fair behandelt. 

Das Weltwirtschaftsforum hat berechnet, dass es noch ca. 133 Jahre dauern wird, bis Frauen und Männer die gleichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. 

 

Dann werden ja Männer diskriminiert!

Das Gerücht, die Frauenquote würde Männer diskriminieren, hält sich hartnäckig. Eine Frauenquote bedeutet jedoch nicht, dass unqualifizierte Frauen nur wegen ihres Geschlechtes eine Arbeitsstelle bekommen, während ihre gut ausgebildeten, männlichen Konkurrenten leer ausgehen.
Sie sorgt lediglich dafür, dass Frauen mit der gleichen Qualifikation wie ihre männlichen Mitbewerber, bevorzugt werden. Solange, bis sie in den Unternehmen angemessen repräsentiert sind.

Eigentlich sollte es doch selbstverständlich sein, dass die Kandidat:innen den Job bekommen, die am besten qualifiziert und geeignet sind.
Doch Menschen stellen meist die Bewerber:innen ein, die ihnen ähneln.

Die Studie der Allbright Stiftung aus dem Jahre 2017 untersuchte Unternehmen, die an der Frankfurter Börse notiert sind. Sie stellte fest, dass es mehr Vorstandsmitglieder mit dem Namen Thomas und Michael gab, als insgesamt Frauen. Dieses Phänomen benannten sie den „Thomas-Kreislauf“. Er spiegelt wider, dass sich soziale Normen reproduzieren. Denn: Eine Chefetage voller Männer neigt erwiesenermaßen dazu, weitere Männer einzustellen. Die Frauenquote durchbricht diesen Kreislauf.

Wo bleibt die Quote bei der Müllabfuhr?!

Immer wieder kommt der Vorwurf auf, die Frauenquote ziele nicht wirklich auf die Gleichberechtigung ab. Mit dem Argument, dass nur wenige, gut bezahlte Jobs in Wirtschaft und Politik, mit einer Frauenquote versehen werden. Als Beispiel werden dann oft männlich dominierte Arbeiten wie die Müllentsorgung herangezogen und ironisch eine Frauenquote für diese Berufe gefordert.

Was dabei vergessen wird: Jede vierte Frau arbeitet im Niedriglohnsektor (bei den Männern sind es nur 15%).

Argumentiert man also mit einer Quote für alle Berufe, müsste fairerweise auch an eine Männerquote im weiblich dominierten Niedriglohnsektor gedacht werden.

Der Weg zur Geschlechtergerechtigkeit

Seit der Einführung des „das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst“ im Jahr 2015 ist viel passiert. 

Als erstes Dax-30-Unternehmen führte die Deutsche Telekom eine Frauenquote bei Stellenbesetzungen und Managementprogrammen ein. Der Anteil an Frauen stieg konzernweit von 19% (2010) auf 26% (2019).
Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der Telekom liegt sogar bei knapp 50%!

Auch in den anderen Dax-Unternehmen hat sich seit der Frauenquote viel getan. Der Anteil der Aufsichtsrätinnen liegt 2021 erstmals bei 36%. Der Anteil an Frauen in den Vorständen ist auf 17,8% gestiegen.

Bei einem sind wir uns wohl alle einig: Natürlich führt die Frauenquote nicht automatisch zur gesellschaftlichen Gleichberechtigung der Geschlechter. Doch sie ebnet den Weg.
Veränderungen passieren meist schleichend und 133 Jahre bis zur Gendergleichheit sind zu lang.  

Naomi Asal

Seid ihr für eine Frauenquote?
Na klar, das sie ist super wichtig!
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Ich nicht so genau...
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Ne, ist voll unnötig
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