Gender Health Gap

Die gesundheitliche Ungleichheit der Geschlechter

Druckschmerz im Brustkorb, Kurzatmigkeit, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen. Das sind die typischen Symptome eines Herzinfarktes… Für Männer! Frauen zeigen diese Symptome selten. Und wenn doch, werden sie häufig auf psychische Probleme oder die Wechseljahre zurückgeführt.
Eine Studie aus den USA zeigt: Ob Frauen einen Herzinfarkt überleben, hängt maßgeblich davon ab, ob sie von einer Frau behandelt werden.

Cis-Männer als medizinische Norm

In der Medizin wird häufig vom Einheitsmenschen ausgegangen. Die Norm: Der Cis-Mann (Männer, die sich mit dem Geschlecht identifizieren können, mit dem sie geboren wurden). Rund die Hälfte aller 2018 und 2019 neu zugelassenen Arzneimittel wurden vorrangig nur an männlichen Versuchsgruppen getestet.

Darüber hinaus werden bei Tierversuchen mit Labormäusen deutlich mehr Männchen eingesetzt.

Medikamente wirken bei Frauen oft schlechter

Doch es ist ein Irrglaube, dass der Körper der Menschen unabhängig vom Geschlecht gleich auf Medikamente reagiert. Für die Medizin ist es erheblich, ob Menschen mit den Geschlechtschromosomen XY oder XX geboren wurden.
Sie bestimmen den Stoffwechsel und die Verdauung und die wiederrum haben einen maßgeblichen Einfluss auf die die Zeit, in der ein Körper eine gewisse Menge an Wirkstoffen verarbeitet. Die sogenannte Pharmakokinetik.

Beispielsweise hat eine Studie zur Wirksamkeit von Digoxin (wird verabreicht bei Herz-Kreislauf-Beschwerden) festgestellt, dass dieses Medikament das Leben von Frauen verkürzen.
Bei Männern ist die Lebenslänge nicht beeinträchtigt. Beide Geschlechter bekommen also das gleiche Medikament, doch reagieren völlig unterschiedlich darauf.

Warum denkt Medizin männlich?

Noch bis in die 90-er Jahre wurden Medikamente fast ausschließlich an Männern getestet. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist die Erhöhung des Frauenanteils unrentabel für die Pharmaindustrie. Denn durch die Unterschiede zwischen Zyklus und Verhütungsmittel, Schwangerschaft und die Wechseljahre ist es komplizierter Studien mit Frauen durchzuführen.

Zudem sind medizinische Studien an und mit Frauen rechtlich stark beschnitten. So gibt es die Vorgabe, dass das zu entstehende Leben in einem Uterus geschützt werden muss. Bei den meisten Stadien der Forschung gibt es aber noch keine Daten, ob das Medikament nicht eventuell unfruchtbar machen könnte.
Darum werden nur Frauen für Studien zugelassen die doppelt verhüten. Das bedeutet: Keine Frauen mit natürlichem Zyklus dürfen teilnehmen.

Doch diese Lücken in der Forschung können lebensbedrohlich sein. Dass zeigt auch der Fall des Schlafmittels Zolpidem in den USA. Während Männer das Mittel gut vertrugen, baute sich der Wirkstoff bei Frauen sehr viel langsamer ab. Als Konsequenz daraus häuften sich die Autounfälle von Frauen die am Vorabend Zolpidem genommen hatten. Erst dadurch bemerkte man, dass bei Frauen schon die Hälfte der Dosierung ausreichend ist.

Gendermedizin statt Frauenquote

Mittlerweile gibt es Richtlinien die verlangen, dass Medikamente auch an Frauen getestet werden. So hat sich die Ungleichheit zwar verbessert, doch das Verhältnis stimmt immer noch nicht.
Doch für eine Geschlechtergerechte Medizin kann man nicht einfach eine Frauenquote von 50% einführen. Die Körper der Geschlechter sind unterschiedlich und auch unterschiedlich häufig von Krankheiten betroffen.

Eine Lösung wäre die Gender Medizin. Dort wird untersucht, wie häufig Krankheiten bei den Geschlechtern tatsächlich auftreten und daran gemessen repräsentative Untersuchungen durchführt. 

 

Medizinisch unsichtbar

Erst kürzlich gab es einen neuen Skandal im Hinblick auf die Genderungerechtigkeit in der Medizin. Nach der Corona-Schutzimpfung häuften sich die Meldungen von Trans-Männer und nicht-binäre Personen, die nach der Impfung das erste Mal seit Jahren wieder menstruierten.
Wenn Trans-Männer und nicht-binäre Personen, die mit Gebärmutter geboren werden, Testosteron gespritzt bekommen, stoppt dies die Blutungen. Dass die Blutung durch die Impfung wieder zurückkommen könnten, sei bei den Aufklärungsgesprächen für die Impfung nicht erwähnt worden, berichten die Betroffenen im Netz.

Auch Frauen berichteten von besonders starken Blutungen oder der Menstruation trotz Wechseljahren.

Der deutsche Berufsverband der Frauenärzte hält den Stress der Impfung für den Grund der plötzlichen Blutungen. Es stellt sich die Frage, ob dies eine auszureichende Erklärung darstellt.

Die Gender Health Gap reiht sich in eine Menge Lebensbereiche ein, in denen die Gleichberechtigung zwar gesetzlich gegeben aber noch nicht in der Lebensrealität aller angekommen ist. Die Diskriminierung hat überall schlimme Folgen – im Gesundheitssektor besonders drastische.  

 

Naomi Asal

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