Geschlechtergerechte Sprache

Warum gendern wichtig ist

„Wer wird die nächste Bundeskanzlerin?“. Diese Schlagzeile würde wohl für viel Aufsehen sorgen. Immerhin impliziert sie, dass eine Frau Bundeskanzlerin wird. Das Argument: Mit „Kanzlerin“ sind alle gemeint, man habe sich in den letzten 16 Jahren an die weibliche Form gewöhnt, würde kaum überzeugen. Stellt euch nun vor, die Schlagzeile wäre „Wer wird der nächste Bundeskanzler“. Immer noch komisch?

Generisches Maskulin – wen schließt es ein, wen schließt es aus?

Wenn wir über verschiedene Menschengruppen sprechen – egal welchen Geschlechtes - nutzen wir meist das generische Maskulin (Bsp. die Ärzte). Dabei handelt es sich um eine Personen- oder Berufsbezeichnung in der männlichen Form. Die weibliche Form wird nur dann genutzt, wenn explizit von Frauen gesprochen wird (Bsp. die Ärztinnen).

Grammatikalisch sind mit dem generischen Maskulin alle mitgemeint. Und bestimmt fühlen sich auch viele Frauen von dieser Sprachform angesprochen. Studien haben jedoch bewiesen, dass sich die meisten Menschen bei Sätzen im generischen Maskulin, Männer vorstellen.

Doch warum ist das so wichtig und welche Folgen hat es für unsere Gesellschaft?

Sprache ist Macht

Wie die vorhergehenden Studien zeigen, hat Sprache einen Einfluss auf unser Vorstellungsvermögen. Sie beeinflusst wie wir denken und was wir als „normal“ erachten. Das zeigt auch eine Studie von Psycholog:innen der Freien Universität Berlin.  

Sie hat untersucht, wie sich das generische Maskulin auf Kinder auswirkt. Die Ergebnisse zeigen: Kinder schätzen männlich konnotierte Berufe (Bsp. Mechaniker:innen) als erreichbarer ein, wenn sie in geschlechtergerechter Sprache vorgestellt werden. Sie trauen sich dann eher zu, diese zu ergreifen. Sprache wirkt sich also erwiesenermaßen auf die Wahrnehmung von Kindern aus. Die Studie zeigt gleich zwei Missstände auf:

1) Von Frauen ausgeübte Arbeit wird gesellschaftlich als leichter angesehen.

2) Das generische Maskulin sorgt dafür, dass Kinder Berufe als schwerer erreichbar wahrnehmen

Im Jahr 2018 waren nur 15,4% der Angestellten in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) weiblich. Das könnte nicht nur eine Folge von alten Traditionen und Vorurteilen sein, sondern auch direkt mit unserer Sprache verknüpft.

Mit geschlechtergerechter Sprache könnte man diesem Ungleichgewicht aktiv entgegenwirken. So könnten wir Kindern die Zuversicht geben, dass sie auch in traditionell männlichen Berufen erfolgreich sein können.

Nicht nur Binär denken

Die Debatte über geschlechtergerechte Sprache bewegt sich viel zu oft nur zwischen männlich und weiblich. Hierbei vergessen werden die nicht-binären Personen. Also alle die, die sich nicht eindeutig in die Geschlechtskategorie männlichen oder weiblich einordnen können oder wollen. Für sie steht das Sternchen, der Unterstrich oder der Doppelpunkt.

Gendern ja, aber wie?

Die Arten zu gendern sind so vielfältig wie die Debatte selbst.

Feminisierung (Leserinnen und Leser): Schließt nur die binären Geschlechter ein.

Neutralisierung (Lesende): Die geschlechterneutrale Variante wird häufig verwendet. Es gibt diese Bezeichnung in der deutschen Sprache aber nur für einige Personengruppen. Deswegen müssen oft Umschreibungen genutzt werden.

Gender-Zeichen (Leser*innen): Zwischen der männlichen und der weiblichen Form wird ein Sternchen, Doppelpunkt, Unterstrich gesetzt. Sie stehen für alle nicht-binären Personen. Die Platzhalter werden im Sprachgebrauch mit einer kurzen Pause ersetzt.

Entgendern (Leserx/Lesery): Diese Formen der geschlechtsneutralen Sprache wurde von Sprachforscher:innen ins Leben gerufen.

In Deutschland gibt es (noch) keine einheitliche Art zu gendern. Gerade deshalb ist es wichtig, sich mit den verschiedenen Formen auseinanderzusetzen!

Das alles klingt im ersten Moment vielleicht etwas kompliziert. Am Ende des Tages ist es aber nur eine Frage der Gewohnheit. Sprache hat sich schon immer gewandelt und wird sich immer wandeln. Sie ist der Ausdruck für die Gesellschaft, die sie benutzt. Eine Gesellschaft die sich weiterentwickelt.

Geschlechtergerechte Sprache ist längst in unserem Alltag angekommen. Immer mehr große Unternehmen gendern. Die Deutsche Telekom schreibt dazu in ihrem Bewerbungsportal: „Diversity und Gleichbehandlung liegt uns am Herzen. Deshalb wollen wir geschlechtergerecht kommunizieren. Wir sprechen grundsätzlich alle Geschlechter an. Aus diesem Grund überarbeiten wir aktuell unsere Texte“. Ein bedeutsamer Schritt in die richtige Richtung!

Es ist wichtig, dass Sprache alle anspricht und niemanden ausschließt, denn Sprache und Denkweise beeinflussen sich wechselseitig.

Sprache ist ein Spiegel der Gesellschaft und gerade deshalb ist es unerlässlich, dass sich alle Teile der Gesellschaft angesprochen fühlen.

Naomi Asal

Benutzt ihr eine geschlechtergerechte Sprache?
Ja, das ist total wichtig!
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Noch nicht, aber ich möchte es mir angewöhnen!
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Ne, ist doch voll unnötig!
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