Wem gehört Musik?

Das solltet ihr über Musikrechte wissen!

Ein Leben ohne Musik? Unvorstellbar! Unsere Lieblingssongs sind dank Streaming und Social Media überall dabei. Aber wem gehören sie eigentlich? Kurz gesagt: Es ist kompliziert. Wir geben euch einen Überblick über Musikrechte und erklären, welches Schlupfloch ihr euch bei Plattformen wie TikTok zunutze machen könnt.

Die Musikrechte liegen bei Urheber:innen und ihren Vertragspartner:innen

Wer einen Song geschrieben oder Musik komponiert hat, besitzt in der Regel die Rechte an dem Stück. Als Urheber:innen des Songs gilt für sie das Urheberrecht.

Urheberrecht, §11: „Das Urheberrecht schützt den Urheber in seinen geistigen und persönlichen Beziehungen zum Werk und in der Nutzung des Werkes. Es dient zugleich der Sicherung einer angemessenen Vergütung für die Nutzung des Werkes.“

Das bedeutet, dass sie allein entscheiden, ob und wie ihre Musik der Öffentlichkeit zugänglich sein, vervielfältigt und verbreitet werden soll. Niemand sonst darf ihre Werke ohne Absprache bzw. Gebühren verwenden.

Jedoch ist nicht immer eindeutig, wem welche Rechte zustehen. Die meisten Künstler:innen haben eine:n Manager:in und ein Plattenlabel, mit denen sie Verträge geschlossen haben. Das Urheberrecht als solches kann zwar nicht übertragen werden, durch Lizenzverträge lassen sich aber die Nutzungsrechte an Dritte weitergeben. Wer solche Musikrechte besitzt, nimmt jedes Mal Geld ein, wenn der Song verwendet wird. Zum Beispiel in Filmen, Serien oder Werbung. Da Musikrechte übertragen werden können, machen einige Künstler:innen, wie zum Beispiel Shakira, damit Geschäfte. Sie treten ihre Musikrechte für Millionen von Euro ab.

Wer Musik spielt, muss GEMA-Gebühren zahlen

Auch in der Öffentlichkeit dürft ihr Musik nicht ohne Weiteres spielen. Wenn Songs im Radio, bei Konzerten oder in Clubs laufen, müssen dafür Gebühren an die GEMA gezahlt werden. Die GEMA ist die „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“. Sie vertritt die Rechte der Uhrheber:innen und ist für die bereits erwähnten Lizenzverträge zuständig. Diese müssen zum Beispiel mit Radiosendern und Veranstalter:innen ausgehandelt werden.

So wird sichergestellt, dass Künstler:innen für ihre Musik bezahlt werden, wenn andere diese nutzen. Auch bei Privatveranstaltungen wie Abiparties werden GEMA-Gebühren fällig. Die Preise berechnen sich nach Größe und Eintrittspreis des Events. Für eine Privatparty in einem geschlossenen Raum auf 100 Quadratmetern mit freiem Eintritt müsstet ihr zum Beispiel 25 Euro zu zahlen. Wenn ihr das nicht tut, riskiert ihr eine Strafe.

Weniger Einnahmen für Künstler:innen durch Streamingdienste

Die meisten von euch hören Musik wahrscheinlich über Streamingdienste wie Deezer, Apple Music oder Spotify. Vor diesen Diensten kamen die Einnahmen für Musiker:innen vor allem durch den Plattenverkauf. Die Menschen zahlten also direkt für die Musiker:innen, die sie hören wollten. Bei Spotify berechnet sich der Gewinn am Anteil der Gesamtzahl der Streams und kann damit geringer ausfallen. Deswegen wurde Spotify in der Vergangenheit auch vorgeworfen, den Künstler:innen nicht genug zu zahlen. Megastar Taylor Swift ließ deswegen 2014 ihre Songs von Spotify entfernen. Heute gehört sie zu den meistgestreamten Künstler:innen auf der Musikplattform.

Die meistgestreamten Künstler:innen bei Spotify im Jahr 2021. Quelle: Spotify

Mittlerweile hat Spotify seine Einnahmen und Ausgaben transparent auf der Website loud&clear veröffentlicht. Demnach wurde 2021 die bisherige Höchstsumme von 7 Milliarden US-Dollar an Musiker:innen ausgezahlt.

Musik wiederverwenden? Hier entscheiden Nutzungsrechte

Neben den Originalstücken können geschützte Songs auch in neuer Musik auftauchen. In den Charts finden sich häufig Songs, die alte Melodien oder Textzeilen nutzen und neu interpretieren. Auch hinter TikTok-Trends stecken oft Lieder, die eigentlich schon ziemlich alt sind. Beispiele findet ihr auf Kanälen wie dem von Jarred Jermaine.

@jarredjermaine Jack Harlow “First Class” phone audio, sample & original song from Fergie “Glamorous” #jackharlow #firstclass #fergie #glamorous #ludacris #music #sample #samples #sampled ♬ First Class - Jack Harlow

Musik wird insbesondere auf drei Wegen wiederverwendet.

Cover: Ein Song wird komplett übernommen und neu vertont. Text und Melodie bleiben dabei etwa gleich, Stimmlage und Sound variieren aber häufig. Der Originalsong ist jedoch weiterhin erkennbar. Für Coverversionen werden Lizenzgebühren fällig. Interessant: Für öffentliche Schulen gibt es eine Ausnahme, wenn Lieder zum Beispiel im Musikunterricht gesungen werden. Alte Songs, deren Komponist:innen bereits seit über 70 Jahren tot sind, sind ebenfalls lizenzfrei.

Samples: Hier werden nur Ausschnitte eines Songs verwendet. Wenn diese sehr kurz sind, gelten weniger Urheberrechte. Die Songschnipsel müssen dennoch lizenziert werden, jedoch in der Regel nur vom Label. Da die Grenzen nicht ganz klar sind, muss im Zweifelsfall ein Gericht entscheiden.

Remix: Ein Song wird komplett übernommen, aber überarbeitet und in Tempo und Sound verändert. Dazu kommen neue Melodien. Wenn der Originalsong erkennbar ist, kommen wieder die Nutzungsrechte ins Spiel. Oft wird der Remix aber von den Urheber:innen in Auftrag gegeben. Übrigens: Auch ein Remix ist urheberrechtlich geschützt

Musik auf Social Media nur in geringem Umfang

Wenn Musikrechte so kompliziert und streng sind, wieso werden Songs dann auf TikTok oder Instagram rauf und runter gespielt, bearbeitet und allen Nutzer:innen zur Verfügung gestellt?! Ein Grund dafür ist eine Änderung im Urheberrecht. Sogenannte Uploadfilter sollen verhindern, dass Kunst ohne Zustimmung der Künstler:innen online verbreitet wird. Jedoch gibt es eine Ausnahmeregelung: Ähnlich wie auch Zitate frei verwendet werden dürfen, dürfen Töne mit einer Länge von höchstens 15 Sekunden ohne Lizenzvertrag genutzt und verbreitet werden.

Da TikToks und Reels diese Länge meist nicht überschreiten, seid ihr bei der Nutzung also safe. Bei längeren Videos, zum Beispiel bei YouTube, müssen die Musikrechte klar geregelt sein. Allerdings hat die Videoplattform, ähnlich wie Instagram, einen Lizenzvertrag mit der GEMA geschlossen. Dadurch werden die Gebühren für euch übernommen und auch das Verwenden längerer Musikstücke bleibt erlaubt.

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