Politisierung durch Tik Tok?!

Wie TikTok die politische Einstellung beeinflusst

Früher nur unterhaltsame Lipsync- und Tanzvideos, heute immer mehr politische Inhalte. TikTok hat insbesondere Erstwähler:innen zur Bundestagswahl in Deutschland mit allerhand Informationen versorgt. Immer wieder trendeten auch Videos, in denen Contentcreator:innen die Wahlprogramme der Parteien vorstellten. Doch wie kam es zu diesem Wandel? Und wo liegen die Gefahren der Politisierung durch TikTok?

Durch #Blacklivesmatter zur politischen Plattform?

Der Datenwissenschaftler Juan Carlos Medina Serrano hat die politische Kommunikation auf TikTok erforscht.
In seiner Studie hat er unter anderem festgestellt, dass Politik:innen auf TikTok an Bedeutung gewinnen und das politische Inhalte einen ökonomisch wichtigen Aspekt für die Plattform TikTok darstellen.

Die Black Lives Matter Bewegung sieht Juan als zusätzlichen Beschleuniger der Politisierung von TikTok. Der Hashtag #BlackLivesMatter trendete wochenlang und wurde insgesamt 28,3 Billionen Mal aufgerufen. (Stand 15.09.21).

Dass die Bewegung auf TikTok so schnell an Aufmerksamkeit gewann, läge mitunter daran, dass TikTok Trends stärker hervorhebt als andere Plattformen. Instagram schlägt seinem Nutzer:innen beispielsweise mehr Content vor, der mit ihren Vorlieben übereinstimmt.
Bei TikTok lautet das Versprechen hingegen: Jedes Video kann viral gehen!

Die Bewegung Black Lives Matter bildete sich im Jahr 2013, nachdem der 17-jährige Afroamerikaner Trayvon Martin von einem Nachbarschaftswächter erschossen wurde und dieser vor Gericht einen Freispruch erhielt.
Durch den Mord an Georg Floyd von einem weißen Polizisten bekam die Black Lives Matter-Bewegung Mitte 2020 weltweit Aufmerksamkeit.

Junge Wähler:innen zum Greifen nah!

Die zunehmende Politisierung durch TikTok wird auch in Deutschland genutzt. Denn auf TikTok hat man einen guten Zugang zu den jungen Wählenden: „Wenn ich das Ziel habe junge Wähler:innen zu erreichen, wäre TikTok meine erste Plattform“, so der Politikberater Martin Fuchs im Gespräch mit dem NDR.

Im Kontext der Bundestagswahl 2021 nutzten immer mehr deutsche Politiker:innen diesen Raum, um ihre Positionen mal mehr, mal weniger kreativ darzustellen.

Auch zahlreiche Privatpersonen klären auf TikTok zu unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Themen auf. Die Besonderheit der Plattform:

Auf Tiktok sind die User selbst die Nachricht!

Laut dem Datenwissenschaftler Juan Carlos Medina Serrano liegt das daran, dass die politische Kommunikation auf TikTok ganz anders verläuft als auf anderen sozialen Medien: "Die User teilen selten Artikel oder Videos aus anderen Quellen, sondern sie sind die Stars ihrer Videos".

Es geht auf TikTok also weniger darum was gesagt wird, sondern wie es dargestellt wird. Gerade deshalb ist die Informationsbeschaffung auf TikTok mit Vorsicht zu genießen.

Die Gefahr des Algorithmus

Eine TikTok-Userin berichtet dem reif-Magazin von ihren Erfahrungen mit TikTok im Superwahljahr 2021. Sie selbst ordnet sich als klassische Grünen-Wählerin ein.

Sie folgte einer TikTokerin, die vermeintlich neutrale politische Aufklärungsarbeit machte. „Nach einer Weile habe ich gemerkt, dass sie die FDP tendenziell mehr verteidigt und das Wahlprogramm der Partei vergleichsweise positiver darstellt. Das hat mich beeinflusst“.

Zudem wurde der User vom Algorithmus der Plattform immer mehr tendenziöse Videos zur FDP vorgeschlagen. Teilweise sogar ihrem Wahlschwerpunkt dem Klimaschutz entsprechen: „Die FDP wurde auf meiner For You Page als die beste Klimapartei dargestellt.

Was die Userin hier beschreibt, benennt zwei sehr grundlegenden Probleme an der Politisierung durch Social Media:
Zum einen kann jede:r Meinungen als Fakten darstellen. Zum anderen Sorgen die Algorithmen der App für Filterblasen.

Die Algorithmen sind dafür zuständig, den User:innen anhand ihres Nutzungsverhaltens, Beiträge vorzuschlagen, die sie interessieren könnten. Doch bei politischem Content stellt das ein großes Problem dar. Plötzlich ist die gesamte For You Page voll mit einer Meinungstendenz. Das Gefühl, alle denken gleich, entsteht: eine sogenannte Filterblase.

Mehr über die Filterblasen könnt ihr hier nachlesen! Dort bekommt ihr auch Tipps, wie ihr wieder aus einer Filterblase herauskommt.

TikTok birgt, wie viele andere Social Media-Plattformen auch, die Gefahr der Fehlinformation. Doch mit dem kritischen Hinterfragen und Überprüfen der Accounts und Inhalte, die sie präsentieren, kann die Plattform dennoch eine Bereicherung darstellen.

Übrigens: Auch viele der öffentlich-rechtlichen Sender haben TikTok-Accounts und präsentieren dort Informationen nach journalistischen Standards.

Naomi Asal

Nutzt ihr TikTok für politische Informationen?
Ja schon
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Ne, sowas wird mir auf meiner For You Page nicht angezeigt
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Ich nutze TikTok überhaupt nicht
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