Traumberuf Profigamerin

"Wenn du das wirklich willst, musst du verdammt fleißig sein"

Vor wenigen Jahren noch ein utopischer Berufswunsch, heute schon für einige Realität: Profigamer:in. So auch für Marie. Oder Dilexit, wie sie besser auf ihren Social Media Kanälen bekannt ist. Dilexit spielt und streamt vor allem FIFA, ist seit Anfang des Jahres bei der professionellen eSports-Organisation SK-Gaming unter Vertrag und auf dem besten Weg, ihr ehemaliges Hobby zum Beruf zu machen.

Im Interview erzählt sie uns von ihrem Weg, welche Vorurteile selbst ihre Eltern hatten und warum man für diesen Beruf ein echt dickes Fell braucht.

SK Gaming ist eine der ältesten und führende eSports-Organisation in Deutschland. SK Gaming konnte in über 600 Turnieren über 60 Meisterschaftstitel gewinnen – zum Beispiel in Counter-Strike, FIFA, World of Warcraft und League of Legends. Seit Dezember 2019 gehört die Deutsche Telekom zu einem der Hauptsponsoren.

Auf Youtube und Twitch beschreibst du dich wie folgt: 24 Jahre und durchgeknallt. Was sollte man außerdem noch über dich wissen?

Gute Frage. Dass ich nicht normal bin, das wissen viele aus meiner Community. Die wissen auch, dass ich sehr schnell reizbar bin – insbesondere beim FIFA spielen. Ansonsten bin ich eigentlich für jeden Spaß zu haben und sehr lustig unterwegs.

Davon kann man sich insbesondere auf deinen Social Media Kanälen überzeugen! Wie bist du zur Gamerin geworden?

Lange Geschichte, aber kurz: Durch meine zwei älteren Brüder bin ich zum Zocken gekommen. FIFA spiele ich auch schon lang. Der Grund: Ich hab selbst 12 Jahre Fußball im Verein gespielt. Dann dachte ich mir so: Ahnung von Fußball haste, FIFA kann ja nicht so schwer sein. Und dann habe ich angefangen zu spielen.

Das erste Mal auf Twitch gestreamt habe ich dann mit 18 Jahren.

Wie wurdest du bekannter?

Ich musste bei Twitch nicht bei null anfangen, weil ich zwei Jahre vorher einen Youtube-Kanal eröffnet und mir dort eine kleine Community aufgebaut hatte. Aber für mehr Bekanntheit brauchte ich mehr Reichweite. Und das ging nur durch viel Fleiß. Ich habe eine Zeit lang wirklich jeden Tag gestreamt, egal ob neben der Ausbildung in der Pflege oder nach der Berufsschule. Ich merk das auch heute noch. Wenn ich mal aufgrund der Arbeit weniger streame, gehen die Zuschauer automatisch wieder.

Als Profigamer:in musst du absolut fleißig sein und darfst dich nicht auf deinem Erfolg ausruhen.

Und wie bist du dann bei SK Gaming gelandet?

Als ich anfing FIFA 20 zu streamen, wurde ich von EA entdeckt und in das Game Changer Programm aufgenommen. Dafür bin ich denen heute noch sehr dankbar, denn dadurch sind einige Vereine auf mich aufmerksam geworden. So fand ich auch ein Management.
Nachdem eine Zusammenarbeit mit dem VFL Bochum nicht so war, wie ich mir das vorgestellt hatte, habe ich den Wunsch geäußert, dass ich gerne zum SK Gaming Team gehören würde.
Ja, und dann ging es eigentlich ganz schnell. Mein Management schrieb das Team an und jetzt bin ich seit Februar 2021 dabei.  

Was hat sich seitdem für dich geändert?

SK Gaming hat für mich eine ganz große Tür geöffnet. Mein Pflegeberuf und Streaming ist auf Dauer leider nicht immer so vereinbar. Deshalb ist es mein Wunsch, Gaming zum Beruf zu machen. Und SK Gaming ist da eine riesen große Unterstützung für mich. Die geben gibt mir vor allem die nötige Reichweite. Sie sorgen dafür, dass auch andere auf mich aufmerksam werden und das ich an größeren Turnieren teilnehmen kann.

Was muss man als Profigamer:in mitbringen?

Wer das wirklich hauptberuflich machen möchte, muss mehrfach in der Woche trainieren und viel Zeit investieren. Man muss immer auf dem aktuellsten Stand sein und sich ständig steigern. Auch körperliche Fitness ist wichtig. Wenn ich mich regelmäßig sportlich auspowere, bin ich auch mental gestärkt und kann mich beim Spielen besser konzentrieren. Dadurch habe ich mehr Spaß und das verbessert natürlich meine Streams, weil meine Zuschauer besser unterhalten sind.

Auch meine Social Media Kanäle sind wichtig, um die angesprochene Reichweite aufzubauen. Insbesondere TikTok ist gerade ein sehr wichtiger Baustein.

Mit steigender Social Media Reichweite steigen auch oft die Zahl der Hasskommentare. Wie erlebst du das?

Auf Twitch kommen manchmal komische Leute in den Stream. Die meinen, ich soll zurück in die Küche gehen oder ich wäre so schlecht und gehöre nicht vor die Konsole. Oft habe ich aber auch Glück und es sind viele anständige Leute da.

Bei TikTok hatte ich unter dem ein oder anderen Video auch schon fiese Kommentare. Aber wenn man Social Media schon einige Jahre mitmacht, dann gewöhnt man sich traurigerweise daran. Auch auf Instagram hatte ich schon richtige Hasswellen.

Was muss geschehen, damit sich das ändert?

Es ist wichtig, dass man es nicht mehr ignoriert und sich ganz deutlich dagegenstellt. Man muss sich dafür einsetzen, dass dieser Umgangston ein Ende hat. Das gilt sowohl für private Accounts als auch für die großen Content Creator. Nicht mehr nur lesen und schweigen, sondern darauf reagieren und es ansprechen.

Außerdem müssen auch dringend die Plattformen selbst durchgreifen. Hasskommentare müssen schneller gemeldet und geprüft und dann entfernt werden können.

Wenn wir da weiter weggucken, dann passiert da auch nichts.

 

 

Noch kurz zum Abschluss: Verstehen deine Eltern, was du da machst?

Seit knapp einem Jahr verstehen sie, was ich mache. Vorher überhaupt nicht. Bis zu meinem 18./19. Lebensjahr wussten sie aber auch gar nichts davon. Ich bin anfangs auf viel Widerstand gestoßen, da meine Eltern Gaming lange nicht als richtige Arbeit angesehen haben und auch noch der Meinung waren, dass Frauen nicht vor die Konsole gehören. Das ist eher so Männersache.

Aber jetzt unterstützen sie mich. Sie sehen, wie viel Arbeit und Leidenschaft ich in meine Karriere stecke und dass mich das wirklich erfüllt und ich alles tue, um meine Ziele zu erreichen.

Du willst Dilexit mal in Aktion erleben? Dann auf zu ihrem Twitch-Kanal.

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