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So formen wir unsere digitale Identität

Immer von der Schokoladenseite

Ihr wisst bestimmt, dass Instagram und TikTok nicht das wahre Leben sind. Trotzdem versuchen viele, mit Filtern, aufpolierten Fotos und lustigen Videos bei Promis oder bekannten Influencer*innen mitzuhalten. Dadurch formen wir eine digitale Persönlichkeit, die nur unsere Schokoladenseite zeigt.

Schwächen zu verbergen ist normal

Würdet ihr wollen, dass andere euch immer nur in Jogginghose und dem T-Shirt von gestern sehen und immer genau dann reinkommen, wenn bei euch Zuhause gerade totales Chaos herrscht? Wahrscheinlich nicht. Dass wir uns vor anderen von unserer Schokoladenseite zeigen wollen, ist nicht grundsätzlich schlecht. Online nimmt diese Selbstoptimierung aber ganz neue Dimensionen an.

Der richtige Winkel, die schönste Location, die besten Klamotten und viele, viele Versuche – dann ist das perfekte Bild meistens immer noch nicht fertig. Bearbeiten, Filter darüberlegen, die richtigen Effekte und am Ende soll alles wie ein spontaner Schnappschuss aussehen.

 

Wir wollen sympathisch, natürlich und attraktiv wirken und vor allem authentisch.

 

Das perfekte Profilbild kann uns im Leben tatsächlich weiterbringen:
Eine Studie der Universität Gent sagt, dass Bewerber mit einem attraktiven Profilbild bei Facebook größere Chancen auf einen Job haben. Wie wir uns in den Sozialen Medien geben, kann sich also tatsächlich auch auf unser reales Leben auswirken.

Wir erschaffen uns selbst neu

Wenn ihr euch online von eurer Schokoladenseite präsentiert, habt ihr gute Chancen, bei anderen sympathisch rüberzukommen. Die positiven Rückmeldungen, Likes und Kommentare fühlen sich gut an. So gut, dass ihr mehr davon wollt.

 

Im Internet können wir die Version von uns sein, die wir sein wollen.

 

Wie in einem Videospiel könnt ihr eurem "Social Media-Ich" die Eigenschaften geben, die euch gefallen. Beliebte Charaktere im Netz sind zum Beispiel das extrovertierte Partytier, der verträumte Weltenbummler, der Food-Blogger oder das Model.
Je nach Vorliebe könnt ihr euer Profil mit Fotos, Stories und Hashtags ausstatten. Auf der Jagd nach Likes könntet ihr sogar cheaten, indem ihr euch Follower oder Bots kauft – hierdurch belügt ihr euch und andere natürlich noch stärker.

Denn: Was hat das noch mit dem echten Leben zu tun?

Wie unterschiedlich wir uns auf verschiedenen Plattformen zeigen, hat Anfang des Jahres die Dolly Parton Challenge bewiesen. User suchten sich dafür vier Profilbilder von Facebook, LinkedIn, Instagram und Tinder aus.

 

Vier Mal dieselbe Person – aber vier verschiedene Persönlichkeiten:


Und so formen wir unsere digitale Identität...

Dass wir uns auf LinkedIn im Business-Outfit zeigen und Flirtversuche lieber bei Tinder starten, ist natürlich eher eine gute Sache. Denn es zeigt Anpassungsfähigkeit und soziale Kompetenz.

 

Problematisch wird die Selbstdarstellung dann, wenn ihr anfangt, euch mit anderen zu vergleichen. Hinter den perfekten Urlaubsbildern steckt nämlich viel Arbeit und oft ein eher durchschnittliches Erlebnis. Wenn ihr aber anfangt, dieser falschen Realität hinterherzueifern, fühlt ihr euch meistens schlechter, weil ihr vermeintlich weniger schöne Bilder, weniger tolle Erlebnisse und weniger Likes habt. 

 

Dass das auch depressiv machen kann, lest ihr hier!

 

Was online passiert, ist nicht die Realität.

 

Es gibt auch Gegenbewegungen:

Einige Influencer posten Bilder zum Thema "Instagram vs. Reality" und zeigen, dass auch sie Spreckröllchen, Cellulite oder bad hair days haben. Einige zeigen sogar, wie gestellt ihre eigenen Bilder sind und dass dabei auch mal was schiefgeht:

 

Es ist okay, euch ab und zu von eurer Schokoladenseite zu zeigen – bleibt dabei aber bitte authentisch und noch wichtiger: IHR SELBST!

cp