Toxische Männlichkeit

TW: (sexualisierte) Gewalt, Homofeindlichkeit, Suizid

Wann ist ein Mann ein Mann?!

„Männer weinen nicht“, „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“, „du wirfst wie ein Mädchen“ das sind Aussagen, mit denen wir alle sozialisiert wurden. Doch diese Auffassung von Männlichkeit hat schwere Folgen für die Gesellschaft und Individuen.

Toxische Männlichkeit – was ist das?

Anders als der Name es vermuten lassen würde, bedeutet toxische Männlichkeit nicht, dass Männlichkeit per se toxisch ist. Viel mehr beschreibt es ein schädliches Konzept von Maskulinität, dass in unserer Gesellschaft vorherrscht.

Dabei geht es nicht darum, männlich assoziierte Eigenschaften zu verurteilen, sondern gewisse idealisierte Aspekte und ihre Schädlichkeit zu hinterfragen. Zu den Aspekten zählt die Unterdrückung von Gefühlen, Selbstüberschätzung, das Verurteilen von Schwäche oder eine Verherrlichung von Gewalt.

Sei (k)ein Mann

Die männliche Sozialisation findet häufig durch Abgrenzung statt. So wird die Geschlechteridentität bei Jungen hauptsächlich dadurch definiert, was sie nicht sein sollen. Beispielsweise weiblich, schwach, homosexuell, hilflos, weich usw.

Laut der Soziologin Laura Chlebos bietet unsere geschlechterspezifische Sozialisation keine breite emotionale Entfaltungsmöglichkeit.
So lernen Jungen früh, ihre vermeintlich weiblichen Eigenschaften abzulehnen, um nicht als „unmännlich“ angesehen zu werden. Wildes und aggressives Verhalten von Jungen in unserer Gesellschaft wird eher belohnt oder zumindest akzeptiert, während Jungen, die männlichen Stereotypen nicht entsprechen, Gefahr laufen, sozial ausgegrenzt zu werden und selbst Gewalt zu erleben.

Die Konsequenzen dieser Sozialisation von männlich gelesenen Kindern hat schwerwiegende Folgen. So sind Männer die Hauptakteure bei dem Verüben von Gewaltdelikten und sexualisierter Gewalt. Rund 80 % der Gewaltstraftaten in Deutschland werden von Männern begangen (Stand 2018). 

In den Statistiken des BKA zur Gewalt in Partnerschaften sind die Tatverdächtigen zu 79,4 % männlich, während die Opfer zu 81 % weiblich sind.

Des Weiteren wird Männern, laut der toxischen Definition von Männlichkeit, ein überzogener Sexualtrieb zugesprochen. Das führt dazu, dass sexualisierte Übergriffe an Männern oftmals verharmlost oder nicht wahrgenommen werden.

Toxische Männlichkeit im Alltag

Sebastian Tippe ist Diplom-Pädagoge mit dem Schwerpunkt geschlechtsbezogene Pädagogik und antirassitischer Bildungsarbeit. Er hat 2021 das Buch „Toxische Männlichkeit. Erkennen, reflektieren, verändern“ veröffentlicht. Im Interview mit der ARD erklärt er, wie Toxische Maskulinität im Alltag aussieht.
Laut ihm sind typische toxisch männliche Verhaltensweisen fogende:
Das Unterbrechen von Frauen, ihnen ungefragt die Welt erklären, die Ideen von Frauen als die eigenen ausgeben und dafür Lob und Anerkennung erhalten sowie sexistische Verhaltensweisen und das permanente Überbieten wollen anderer.

Laut der Soziologin Laura Chlebos könnten mehr Frauen in Führungspositionen das gesellschaftliche Bild ändern, weil Männer andere Vorbilder bekommen würden.
Bei der Stärkung des Anteils von Frauen in Führungspositionen nimmt die Deutsche Telekom eine Vorreiterrolle ein. So sind zB 50% aller neu eingestellten Trainees weiblich.
Mehr zur Frauenquote erfahrt ihr hier.

Eine Gefahr für sich selbst

Mit der toxischen Männlichkeit schaden Männer nicht nur anderen, sondern auch sich selbst. So sterben Männer aufgrund traditioneller Geschlechterrollen im Schnitt 5 Jahre früher als Frauen.
Das liegt daran, dass sie sich riskanter verhalten. Häufiger rauchen, Drogen nehmen, sich schlechter ernähren und öfter Alkohol trinken.

Zudem suchen sie seltener Hilfe bei Ärzt:innen und Therapeut:innen. So ist die Suizidrate bei Männern dreimal höher als bei Frauen. Dabei lassen sich Frauen weitaus häufiger therapeutisch behandeln.

Bei der Aufrechterhaltung der traditionellen Geschlechternormen gewinnt keine:r. Sie geben den Individuen keinen Platz, sich zu entfalten.
Darüber hinaus reproduzieren sie Gewalt von Männern an sich selbst und anderen.

Männlichkeit ist ein soziales Konstrukt. Es gibt keine klassisch männlichen Eigenschaften. Es ist die Aufgabe aller, das eigene Handeln dahingehend zu reflektieren und so die geschlechterspezifischen Normen unserer Gesellschaft aufbrechen.

Naomi Asal

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Ja, aber ich wusste nicht was das ist.
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