Gewaltverbrechen als Unterhaltung?!

Darum sind True Crime Podcasts so beliebt!

Einen gemütlichen Abend mit Mord, Gewalt und Größenwahn verbringen? Das scheint zu funktionieren, denn True Crime Podcasts sind mit ihren Nacherzählungen von wahren Verbrechen extrem erfolgreich. Wir schauen uns den Podcast-Boom genauer an und erklären, wieso uns die schrecklichen Geschichten so anziehen.

Von Nische zu Massenphänomen

Während Podcasts vor einigen Jahren noch eine Randerscheinung waren und nur experimentierfreudige Hobby-Podcaster:innen ihre semi-professionelle Aufnahmen ins Internet stellten, lässt sich heute sogar richtig Geld mit Podcasts verdienen. Laut der Podcast-Hosting Plattform podigee erlebten Podcasts ab 2017 einen Aufschwung, der bis heute anhält. Demnach sind besonders junge Menschen schon häufig mit dem Thema in Berührung gekommen. Bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov gaben sogar fast 60 Prozent der 18- bis 34-Jährigen an, zumindest gelegentlich Podcasts zu hören.

Das liegt vor allem daran, dass Podcasts mittlerweile immer und überall verfügbar sind. Streamingplattformen ermöglichen einen einfachen Zugang und auch die Aufnahmemöglichkeiten sind besser geworden. Qualitativ hochwertige Aufnahmen können mit dem Handy gemacht und per App bearbeitet werden. Um Podcast-Host zu werden, braucht ihr also nicht mehr als euer Smartphone. Deswegen ist die Auswahl an Podcasts mittlerweile riesig.

Allein auf Spotify gibt es über 3 Millionen Podcasts!

Der Erfolg von True Crime Podcasts

Als Nebenbei-Medium werden Podcasts besonders gern zu Hause gehört. Beliebt sind vor allem Unterhaltungspodcasts wie "Gemischtes Hack", "Baywatch Berlin" oder "Fest&Flauschig". Doch in den Top 10 Rankings tummeln sich auch einige True Crime Podcasts wie "Mordlust" oder "Schwarze Akte".

Angefangen hat der Hype wahrscheinlich 2014 mit dem Podcast "Serial", in dem eine Journalistin aus den USA über ungeklärte Kriminalfälle spricht.

Das Interesse an Mord und Verbrechen war aber schon vor True Crime Podcasts bekannt. Krimis sind seit jeher beliebt und lassen Leser:innen mitzittern, genau so wie Gruselgeschichten und Horrorfilme. Wenn die Erzählungen auf wahren Geschichten beruhen, gibt das einen ganz besonderen Kick. Denn das Sicherheitsgefühl der Fiktion weicht dem Gefühl, dass sich die Geschichten genau so in der Nachbarschaft zutragen könnten.

Besonders interessant wird es, wenn es noch keine:n Täter:in gibt und im Podcast gerätselt wird. Die Hörer:innen möchten mitraten, den Fall lösen und unbedingt wissen, wie es ausgeht. Neugierde spielt im Erfolgsrezept von True Crime Podcasts also eine große Rolle. Besonders bei Frauen sind sie beliebt, wahrscheinlich weil sie meist empathischer sind und mit Opfer, aber auch mit Täter:in mitfühlen. Denn häufig stecken hinter den Kriminalfällen dramatischen Vorgeschichten. Frauen fühlen aber auch deswegen oft mit, weil sie häufiger Opfer von Gewaltverbrechen sind. Die Erzählungen lösen echte Gefühle wie Angst aus, weswegen wir sie als so spannend und fesselnd empfinden.

Trotz des Gruselfaktors können manche Menschen bei True Crime Podcasts richtig gut abschalten und entspannen. Das liegt daran, dass man beim Hören in Sicherheit ist, sich vielleicht im Bett einkuschelt oder einen Tee trinkt. Diese Erleichterung, selbst nicht betroffen zu sein, kann entspannen und sogar beim Einschlafen helfen.
Und noch eine Sache ist positiv: Die Erläuterung der Fakten und die Kritik am Justizsystem kann dazu führen, dass Fälle neu aufgerollt werden. So wie bei dem Podcast "Serial", in dem das Urteil in einem Mordfall an hinterfragt wurde und damit viel Aufmerksamkeit erzeugte.

Klingt interessant? Die Telekom hat einen "Digital Crime" Podcast veröffentlicht, der sich mit wahren Kriminalfällen aus dem Internet beschäftigt. Hier könnt ihr reinhören. 

True Crime Podcastser:innen nutzen schreckliche und tragische Vorfälle also nicht nur zur Unterhaltung und das ist auch gut so. Denn eins darf man nicht vergessen: Es geht um echte Fälle und echte Menschen.

Carolina Pfau

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