Von Dating Apps und Dopamin

Wie funktioniert Tinder?

Links, links, rechts, links, rechts, Match. Dating Apps versprechen uns großartige Dates mit kleinem Aufwand. "Matchen. Chatten. Daten." heißt es auf der Website der wohl bekanntesten Dating App Tinder. Aber wie funktioniert Tinder und wie verändert uns das Online-Dating?

Per Swipe zum perfekten Match

Ein Foto, eine kurze Beschreibung und einen belastbaren Daumen – mehr braucht es heute nicht für das perfekte Match. Zumindest ist es das, was uns Online Dating Apps vermitteln will.
Mit Aussagen wie "alle 11 Minuten verliebt sich ein Single" (Parship) oder "Das echte Leben spielt hier" (Lovoo) scheint es, als würde uns etwas entgehen, wenn wir nicht beim Online-Dating mitmachen.

Doch das ist genau das, was Dating Apps so erfolgreich macht: Die Angst, etwas zu verpassen.

Das aufregende Date, die interessante Bekanntschaft oder die große Liebe, sie könnten nur einen Swipe entfernt sein. Vielleicht wird es ja der nächste, oder der nächste, oder der nächste, oder der danach – klingt ein bisschen wie beim Glücksspiel und das ist kein Zufall. Tatsächlich nutzen Tinder und Co. Ein ähnliches Prinzip.


Wie funktioniert Tinder?

Hinter Dating Apps stecken Algorithmen, die unser Swipe-Verhalten analysieren und uns die richtige Auswahl an potenziellen Partnern vorsetzen. Wir fühlen uns gerade so glücklich, dass wir die App weiter nutzen wollen, aber so unglücklich, dass wir das Gefühl haben, sie weiter nutzen zu müssen.

Die Apps machen sich unser Dopamin zunutze. In der Arte-Mediathek findet ihr einen Beitrag, der das Ganze ziemlich gut erklärt:


Ein bisschen oberflächlich sind wir alle – doch Dating Apps treiben das Ganze Spitze.

Ganz ohne innere Werte geht's aber auch dort angeblich nicht, immerhin klicken wir uns nicht nur durch Fotos, sondern auch durch Beschreibungen, die allerdings jeder selber von sich texten und auch erfinden kann.
Logisch, schließlich wollen wir doch auch hier möglichst spannende und attraktive Dinge lesen.

Dating-Partner werden immer mehr zur Ware, da hinter jedem Profil noch ein besseres stecken könnte.

So können Dating Apps auch bestehenden Beziehungen gefährlich werden, denn ein vermeintlich besserer Partner könnte sich ganz in der Nähe befinden...

Ganz schön oberflächlich

Das sorgt nicht nur dafür, dass wir andere strenger bewerten, sondern auch uns selbst. Denn jeder Nutzer weiß, dass neben ihm noch Hunderte andere zur Auswahl stehen. Wir versuchen also rauszustechen, aufzufallen gut auszusehen und uns noch besser zu verkaufen.

Viele Männer haben ihre eigene Strategie gefunden, damit umzugehen. Sie vergeben Likes, was das Zeug hält. Aussortiert wird später. Frauen sind wählerischer.

Eine Studie in London hat gezeigt, dass Männer tatsächlich eher auf mehr Matches aus sind, um ihr Ego zu pushen, während Frauen lieber wählerisch bleiben.

Die Folge: Die Frauen sind frustriert, wegen der Flut an "Hey"-Nachrichten, die Männer sind frustriert, weil sie keine Antwort bekommen.

Was tun gegen den Frust? Richtig – weiterswipen!

Wie funktioniert Tinder denn ohne Oberflächlichkeit?
Ein paar Versuche gibt's bei anderen Apps. Bei OkCupid geht es zum Beispiel mehr um den Charakter. Bei Bumble machen Frauen den ersten Schritt.

Auch Tinder kann weniger oberflächlich sein, wenn wir uns aufs Chatten konzentrieren. Wir haben bei reif bereits gezeigt, wie uns Dating Apps durch Social Distancing helfen und unsere Beziehungen sogar vertiefen können.

Online-Dating ist eine Form von Freiheit

Wie auch bei Social Media gilt: Lasst euch nicht runterziehen!

Dass die virtuelle Welt uns depressiv machen kann, haben wir euch schon in diesem Beitrag gezeigt.

Dating Apps sind aber auch eine Bereicherung, wenn wir sie bewusst nutzen und respektvoll bleiben.

Sie können uns Menschen zeigen, auf die wir sonst nie aufmerksam geworden wären. Schüchternen Menschen fällt der erste Schritt online vielleicht leichter. Außerdem können wir aus der Distanz checken, ob die Person zu uns passt und vermeiden damit vielleicht das ein oder andere katastrophale Date.

Wir haben heute die Freiheit, jemanden zu finden, der wirklich zu uns passt. Oder uns einfach auszuleben. Denn auch, dass ganz offen nach unverbindlichen Treffen gesucht wird, ist eine gewisse Freiheit.

Aber am Ende suchen wir doch alle nur nach einem Grund, um Tinder und Co. Wieder zu deinstallieren, oder?

cp