Im Interview

Software entwickeln - schon während des Studiums!

Andreas Hartmann ist Professor für Software-Engineering an der HfTL. Seine Studenten lässt er Tools für die Telekom produzieren, YouTube-Tutorials drehen und Comic-Präsentation halten.

Was macht gute Lehre für Sie aus? 

Drei Dinge: Der Lehrende muss selbst begeistert sein und seine Begeisterung an die Lernenden übertragen. Er muss einen guten Mix aus Theorie und Praxis finden. Und der vermittelte Stoff muss für Menschen und Gesellschaft einen Mehrwert haben.

Welche neuen Wege gehen Sie als Professor?

An der HfTL bieten wir das Modul Software-Engineering an. Die Studierenden sollen lernen, komplexe Software zu entwickeln. Da macht eine klassische Frontalvorlesung mit Folien relativ wenig Sinn. Deshalb machen wir stattdessen ein Projekt. Denn im Arbeitsleben bedeutet IT ja in den allermeisten Fällen: Projektarbeit.  

Wie sieht das konkret aus?

Ich stehe nur ganz am Anfang des Semesters einmal mit einem Satz Folien vor den Studierenden. Aber nicht, um Theorie zu vermitteln, sondern um das Organisatorische zu erklären. Meine Erfahrung ist nämlich: Je mehr organisatorischen Rahmen ich vorgebe, desto besser können die Studierenden sich auf die Entwicklung konzentrieren. Nach dieser Einführung bin ich dann eher ein Coach für die Teams. Während sie an ihrer Aufgabe arbeiten, begleite ich sie, erkläre die Hintergründe und bringe so Fachwissen ins Projekt ein, das direkt angewandt wird.

Und was sind das für Software-Anwendungen, die die Studenten da entwickeln?

Ich denke mir da nicht einfach was aus, sondern arbeite mit realen Inhalten aus der Telekom-Welt. Ich entwickle mit meinen Studierenden prototypische Software in Abteilungen des Unternehmens. Das ist natürlich eine Win-Win-Situation: Die Firma hat die Möglichkeit, mit ihren zukünftigen Mitarbeitern schon im Studium zusammenzuarbeiten. Und sie bekommt immer neue Impulse, was gerade aktuelle Werkzeuge sind. Die Studenten knüpfen zum einen wertvolle Kontakte und bekommen zum anderen ein reales Thema, das oft auch tatsächlich in die Anwendung kommt.

Das heißt, die Software, die Ihre Studenten entwickeln, nutzt die Telekom dann wirklich?

Natürlich entwickeln sie keine Produkte, die dann gleich morgen an den Endkunden verkauft werden. Aber es gibt viele Fälle, in denen eine Zwischenlösung gebraucht wird, etwas ausprobiert werden muss in der IT – und das können wir leisten. Oft entstehen aus solchen Prototypen später dann tatsächlich auch Produkte. 

Haben Sie ein Beispiel?

Letztes Semester haben meine Studenten für die Telekom ein Online-Frage-Antwort-System zum Thema Cyber Security entwickelt. Die Idee war, dass auf Messen oder anderen Veranstaltungen mittelständische Unternehmen zur Telekom kommen und sich dort über eine App oder Webseite mit Hilfe dieses Systems selbst einschätzen können: Welchen Bedarf haben wir im Bereich Cyber Security? Wie sind wir da aufgestellt? Am Ende steht dann der Ansatz einer Problemlösung: Folgende Lösungen und Services, die die Telekom zur Verfügung stellt, sind für dich interessant.

Die HfTL-Studenten sind ja nicht immer in Leipzig an der Hochschule, sondern über ganz Deutschland verteilt. Wir funktioniert die Projektarbeit über räumliche Grenzen hinweg?

Wir machen viele Team-Besprechungen und Feedback-Gespräche online. Auch das passt in die moderne Arbeitswelt: Die Studenten lernen schon im Studium, eine Präsentation online über eine Plattform wie webex vorzustellen. – Am Ende des Semesters muss aber jedes Team sein Produkt an der Hochschule vor den anderen präsentieren. Ich sage dann immer: „Nur wenn euch nichts anderes einfällt, macht eine Power-Point-Präsentation!“ Daher zeige ich die Alternativen auf. Derzeit sind comicartige Werkzeuge wie PowToon oder Rawshorts meine Favoriten. Das ändert sich natürlich ständig, weil es immer etwas Neues gibt. 

Moderne Tools spielen also schon eine wichtige Rolle in Ihrer Lehre? 

Ich glaube einfach, das wir heute mit den Medien, die uns zur Verfügung stehen, Wissen ganz anders rüberbringen können. Deshalb habe ich mir angeschaut: Was machen junge Leute heute, wenn sie was wissen wollen? Sie gehen ins Internet. Und oft landen sie dann bei einem Youtube-Tutorial. Also erkläre ich meinen Studenten erst mal: Was ist ein hochwertiges Tutorial? Wo muss man aufpassen, dass man keine falschen Informationen übernimmt? Und dann produzieren sie während des Semesters ein eigenes Tutorial zu einem Fachbegriff – zum Beispiel zu verschiedenen Web-Architekturen. Die fertigen Videos schauen wir uns dann in der Gruppe – oft in Online-Vorlesungen – gemeinsam an und die Teams können einander Fragen stellen, Votings durchführen etc. Die besten Tutorials lege ich in einem internen Bereich ab, so dass zukünftige Studenten auch darauf zugreifen können. 

Haben Sie ein Beispiel? 

Letztes Semester hat eine Gruppe das Tutorial „Das IT-Universum“ produziert und darin mit ganz tollen Weltraum-Illustrationen die Welt der Informatik erklärt. Das zeigt einfach, welche kreative Begeisterung man in den Studenten wecken kann.

Studentenproduktion "Das IT - Universum"

Welches Feedback kriegen Sie denn von den Studenten auf Ihre Lehrmethoden?

Die Studenten finden es toll, dass Inhalte nicht in frontalen Vorlesungen vermittelt werden, sondern in der konkreten Projektarbeit. Ich versuche, ihnen auch vorab schon zu vermitteln, was meine Ideen und Prinzipien sind, was ich von ihnen erwarte und was sie von meinen Veranstaltungen erwarten können. Man kann seine Vorlesungen nicht mehr einfach nur in den Kalender eintragen und hoffen, dass jemand kommt. Bei mir gibt es Flyer, in denen steht: Das sind die Inhalte im nächsten Semester, so sind die Projekte aufgebaut, Unterlagen findet ihr auf dieser Internet-Plattform... Und die Veranstaltungen sind voll! 

Weitere Werke der Studenten

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